Was er ihnen sagte, war gewaltig.

Eine Predigt hielt die Geige, wie sie wuchtiger kaum je vernommen ward. – Mußte man wirklich einen solchen Dornenweg des Entsagens gehen, wenn man zu dieser Höhe klimmen wollte?

Denn jene unter den Zuhörern, welchen Frau Musika zur Seherin wurde, tief Verschlossenes offenbarend, sie fühlten jetzt mit dem Künstler den Segen des Leides. Sie schritten mit ihm durch Höhen und Tiefen und sahen mit leidgeschärften Augen, daß blumenumstandene Wege sich in Sümpfe verirren und nur ein schmaler, rauher und einsamer Weg hinaufführt ins lichte Kinderland, ins Hochland.

Dann war der letzte Ton verklungen, aber es blieb still im Saal. Nach einem Weilchen hörte man ein wildes, wehes Weinen – Fritz Bach sprang auf, schob ungestüm seinen Sessel zurück und umklammerte den Arm des Künstlers.

»Nichts kann ich, nichts!« stöhnte er und lief hinaus, quer durch den ganzen Saal mit den vielen fremden Leuten, ohne Gruß, ohne Dank.

»Den hole ich mir wieder,« sagte Bertold sinnend.

Er schlug das seidene Tuch um die Amati und legte sie wieder in Brennstoffs Hände. Dieser sah besorgt in Bertolds Antlitz. Es war tiefblaß und nur die rote Narbe quer über der Stirn brannte wie ein feuriges Mal.

»Nur einmal gar nicht mehr an andere denken,« meinte der Organist, »ganz und völlig ausruhen, nicht wahr, Meister Bertold?« Es klang, als spräche eine gute, alte Mutter mit ihrem Sohne. –

»Gewiß, mein Alter, – sei ganz ohne Sorgen.«

»Schmerzt die Narbe wieder?« fragte nun auch leise Rektor Tüllen. –