Jeder Akkord, jeder Klang, jedes leise Schwingen der Saiten sprach zu ihr und fragte sie und klagte mit jeder Frage sich selbst an: »Kleiner Kamerad, warum blieben wir nicht zusammen? Meine Liselotte, warum ließ ich dich mit einem andern ziehn? Du erfahrenes Mütterchen von Puppe Emmy, warum verstandest du an deinem Konfirmationstage den großen, unbeholfenen Jungen nicht, dem die Liebe zu dir über Kopf und Kragen schlug?«

Und gerade bei dieser eindringlichen Frage, welche die Geige an das Herz der blassen, jungen Frau tat, war eine Störung im Konzertsaal entstanden und Bertold hatte gesehen, wie Liselotte aufstand und den Saal verließ.

Wo war sie jetzt? Wie sollte er sie finden in dem großen, weiten Berlin?

Unter all diesen drängenden Erinnerungen war Bertold Malcroix an das kleine versteckte Gartenhaus gekommen, das sich efeuumsponnen seltsam verwunschen in der Großstadt mit ihren ragenden Prachtbauten ausnahm. Bertold schloß die Gartenpforte auf, die sich lautlos in den Angeln drehte, und schritt den hellen Kiesweg entlang nach dem Häuschen hin, dessen Fenster erleuchtet waren.

Noch ehe er die Glocke zog, öffnete sich die Haustür.

Frau Thereschen Teichmann stand knixend auf der Schwelle.

»Wie geht es der Kranken?« fragte der Ankommende, »hat sie sehr auf mich gewartet?«

»Sehr! Sie ist aufgestanden und behauptet, ganz frisch zu sein. Denn es ist ein Eilbrief gekommen und sie will heim.«

»Heim? Es ist wohl nicht möglich!«

Bertold hatte rasch Hut und Mantel abgelegt und klopfte nun leise an die Tür des nächstliegenden Zimmers, deren Klinke er sacht herunterdrückte.