»Gott mag’s wissen. Der alte Prokurist schreibt ja nichts drüber, aber du liest ja, daß der Großvater dringend nach dir verlangt – – –«
»In einer Stunde geht der Nachtzug, – ich reise, Tante Adelgunde. Du kommst morgen nach mit Brennstoff und Tüllen und Frau Teichmann. Wirst du die Fahrt ertragen können?«
Da richtete sich das zusammengesunkene Körperchen auf. »Du fragst, wie dumme Buben fragen.« Das Stimmlein war jetzt fest und ernst. »Wenn man sich mit neunzig Jahren noch auf die Wanderschaft begibt, wie ich vor acht Jahren, dann muß etwas Großes, – das Größeste uns treiben: die Liebe, du dummer Bertold Eik. Ich allein hatte dich lieb und ich wußte, daß man einen Eik nicht mit dem Haß und der Menschenverachtung in die Welt hinaus lassen darf. Aber nun hat dich deine Geige die Menschenliebe gelehrt und du brauchst mich nicht mehr. Bald bin ich hundert Jahr – – ich möchte in der Heimat sterben.« – –
***
Das alte Windemuthhaus hatte lange einsam gestanden.
Man wunderte sich in Schwarzhausen darüber, denn man hatte eine ausgeprägt praktische Veranlagung.
Das Grundstück mit dem schönen, geräumigen Wohnhaus und dem großen Park hatte hohen Wert, und mancher Schwarzhausener Bürger suchte es an sich zu bringen, aber ohne Erfolg.
Man sagte, die verwitwete Frau Oberleutnant von Windemuth wolle mit ihrem einzigen Kinde nach Schwarzhausen ziehen, um das Grab des Vaters pflegen zu können.