Aber es geschah nichts dergleichen, und die Einwohner der Stadt und Umwohner des Windemuthschen Grundstückes gewöhnten sich schließlich an die zugezogenen Fenster und freuten sich, daß der große Garten dem Stadtgärtner übergeben war, der ihn sorglich pflegte.
Durch das Ereignis der Übersiedlung des berühmten Malcroix nach Schwarzhausen wurde das Interesse für die Windemuths in den Hintergrund gedrängt.
Man konnte sich zuerst gar nicht darein finden, daß der verachtete Name mit einem Male so hoch in Ehren stand, daß viele Fremde nach Schwarzhausen kamen und die Unbequemlichkeit des Reisens auf der Nebenlinie und Klingelbahn nicht scheuten, nur um die Heimat des großen Geigers zu besuchen. –
Und nun, da der Sohn den befleckten Namen des Vaters wieder ehrlich gemacht, also daß jeder mit abgezogenem Hute davor stand, nun führte Bertold wieder den Namen »Eik von Eichen«. – Er war und blieb eben »närrsch« und für die Schwarzhausener unverständlich. Und unverständlich blieb ihnen lange Zeit der ungeheure Aufschwung, den der Betrieb der Fabriken nahm, – es war doch unmöglich, daß der »Musikant« sich solche Fach- und Sachkenntnis angeeignet hatte, die den Erfolg bedingten.
Bertold Eik schritt durch alle Neugierde, allen Spott und einen guten Teil Nichtachtung, die sich trotz der acht Jahre gut erhalten hatte, mit eherner Stirn hindurch.
Der alte Herr von Eik hatte sich wieder erholt, aber er überließ dem Enkel die volle Verwaltung aller Geschäfte, und dieser ehrte den Großvater als Senior und holte seinen Rat ein, kehrte jedoch mit eisernem Besen jeglichen zopfigen Schlendrian aus. Das schaffte ihm einige neue Feinde zu den vielen alten, aber es verschaffte ihm auch treue Anerkennung und der Erfolg war auf seiner Seite.
Der Eichenborn blieb geheimnisvoll, weil niemand gebeten wurde, ihn von innen zu besehen; man munkelte von Lebenspülverchen, die darin nach einem Teufelsrezept verfertigt würden und zu tausendjährigem Dasein berechtigten. Irgendwo mußte ja immer noch die Tante Adelgunde leben, die man nie mehr sah; und doch brachte man nicht die Hundertjährige mit der geheimnisvollen Person in Verbindung, welche Bertold mit auf Reisen nahm und durch Heben und Tragen vor jeder unsanften Berührung schützte.
Es war doch weit interessanter, vom »schlechten Kerl« zu sprechen und sich alle seine schlimmen Taten ins Gedächtnis zurückzurufen, als in dem Herrn von Eichenborn einen ruhigen, arbeitsamen Staatsbürger zu sehen.
Der Eichenborn blieb geheimnisvoll, weil das langgestreckte, düstere Haus niemals Gäste sah, niemals Fremde hineinließ. Und weil Dienstbotenklatsch keinen Nährboden hatte, denn die Schar der Dienenden im Eichenborn war altbewährt und wurde im Todesfall immer nur durch erprobte und empfohlene Verwandte des Verstorbenen ersetzt.
Die neue Zeit schritt rings um den Eichenborn und Bertold Eik junior tat ihr weit die Pforten der Fabrikräume auf und setzte sie auf den Ehrenplatz. – Was zum Wohle der Arbeiter geschehen konnte, das wurde in den Eikschen Fabriken eingeführt; alle neuen Erfindungen im Betriebe der Schutzeinrichtungen fanden einen warmen, tätigen Förderer in dem jungen Besitzer. Aber die neue Zeit kam nicht nach dem Eichenborn selbst; sie mußte Halt machen vor dem mächtigen schmiedeeisernen Portal, das jeden Abend mit wuchtigem Schlüssel verwahrt wurde, und sie durfte sich nicht einmal erlauben, den uralten Klopfer durch den kleinen, weißen, elektrischen Knopf zu ersetzen.