»So!!« Liselotte sah sehr nachdenklich aus. »Ich habe nur achtunddreißig Pfennige. Von Herrn Organisten Brennstoff. Das ist ein guter, lieber Mann. Immer, wenn er mich sieht, sagt er: Sing mal a, dann tu’ ich’s und dann zieht er die Stimmgabel raus und probiert und dann ruft er: Heil’ge Cäcilie, es stimmt! Du bist doch ä Luderchen. Und dann schenkt er mir einen Pfennig.«

»Achtunddreißigmal!« rief Bertold, »das muß sehr lustig für dich sein. Aber eine Stradivarius kriegst du nicht dafür.«

»Das ist einerlei, – ich habe ja auch noch ’ne Akkordzither.«

Herr Rektor Dillen zog jetzt die beiden aus ihrem Plauderwinkel.

»Kinder, Kinder, ’s is die hechste Zeit, – schreiben missen mer.«

Das war eine weitere Eigentümlichkeit des Herrn Rektors, – er sprach in der Aufregung, im Zorn und in der Begeisterung immer arg thüringisch, aber sobald er in Ruhe war, redete er ein völlig einwandfreies Hochdeutsch.

Und sie schrieben eine ganze Stunde lang Sprichwörter, und wieder mußte Rektor Dillen den Neuen loben, der eine geradezu vorbildliche Handschrift hatte.

»Aber ich kann nicht dahinter kommen, was du mit diesem Sprichwort gemeint hast, Bertold – –«

Und der Lehrer las aus des Knaben Heft vor: »Wer achtunddreißigmal a sagt, muß auch b sagen.«

Da lachte die ganze Klasse schallend, Bertold und Liselotte lachten auch ihr schönes, klingendes Glöckchenduett, und Rektor Dillen legte dem Knaben die alte runzlige Hand auf den dunkeln Lockenkopf und sagte leise: »Lache nur zu, mein Junge, – die im Eichenhause können Sonne brauchen.«