»Das gehört hier gar nicht her.« Der Bruder war plötzlich sehr ernst geworden. »Und in meiner Schule habe ich zu sagen.«

Die Schwester lief ärgerlich in die Küche zurück, und auf dem Teppich in der Studierstube blieb eine kleine Blutlache vom Saftlöffel zurück, als Zeichen des harten Kampfes.

Sturm im Wasserglase.

Die Schwarzhausener litten durchaus das liebe, köstliche Plauderviertelstündchen nicht, welches Bertold mit Liselotte alltäglich pflegte, und sie machten der braven Rektorschwester die Hölle heiß und das Leben sauer. Aber Rektor Dillen lief wie eine brave Glucke um seine zwei Kücken herum und verscheuchte jeden jungen Habicht, der es wagte, die beiden zu stören. Das tiefe, gute Lachen des Knaben und das altkluge Geplauder des Blondchens waren jetzt die Freude seines einförmigen, stillen Lebens geworden. Er wollte sie sich nicht rauben lassen durch Weibergeschwätz und Kleinstadtklatsch. – Er liebte den Eichenborn, er war mit dem Hause Eik verwachsen und mit ihm durch Höhen und Tiefen geschritten, trotzdem Jahrzehnte dazwischen lagen, seitdem er den Eichenborn das letztemal betreten.

Aber er war doch einmal ein Jemand gewesen, der in dem langen grauen Hause etwas zu sagen hatte, – der Hauslehrer des jungen stattlichen Baldamus von Eichen.

Aber der Volksschulmeister, der von früher Jugend an von jedem geduckt wurde, von vielen über die Achsel angesehen, die es wahrlich nicht nötig hatten, der spielte oft eine klägliche Rolle in dem Herrenhause.

Sein Brotgeber war der jähzornige Eichen senior, der damals noch nicht alt, dafür aber noch maßloser heftig war, als ihm jetzt die Leute andichteten, und sein Schüler war der schöne Pflegesohn, der sich nichts sagen lassen wollte von einem »Seminaristen«.

Und unbequem war es ja, daß auch Seminaristen helle, scharfe Augen haben und eine unbegreifliche Art, das Unrecht auch Unrecht zu nennen, selbst wenn es von reichen Zöglingen begangen wird.

Nun hätte der Seminarist Tüllen alias Dillen ja ruhig und unbehelligt alles von dem verwöhnten Baldamus denken können, nur das laute Denken war sehr unvorsichtig von ihm.

Eik von Eichen senior verbat es sich auch einfach, denn trotzdem er den Lehrer Tüllen schätzte, so reichte das doch nicht an den Stolz und die Liebe, mit denen er an seinem Pflegesohn hing.