Der Alte strich sich besinnend über die Stirn.

»Den großen Grieg, sagst du? Ich kenne nur einen Großen, das ist der alte Beethoven. Schweig’ still, Büblein, sag’s dem Brennstoff nicht, er zieht dann gleich so’n närrisch Gesicht, – er steckt so ganz im Wagner drin und, weiß es Gott, ich lieb’ auch ihn, aber sie sind nicht zu vergleichen. Ob der eine den andern mag erreichen, – ich weiß es nicht, mich kümmert’s nicht. Nur eins tu’ ich mir ausbedingen, zu jedem Tag, zu jeder Stund’, man soll mir immer den Wagner singen, so lange ich lebe und bin gesund. Aber in Krankheitstagen, in bangen, will ich nach meinem ›Großen‹ langen, – und die Fünfte Symphonie führ’ mich zur ew’gen Harmonie.

Büblein, was schaust du mich so an?«

Bertold sah in der Tat ganz selbstvergessen in das Gesicht das alten Faktotums.

»Rektor Dillen fragte heute, ob wir schon mal ’n Dichter gesehen hätten – – –« antwortete er stockend, »und da riefen wir alle ›nö‹, aber nun, – aber nun, – bist du ein Dichter, Teichmann?«

Der alte Diener sah sehr ärgerlich aus, weit ärgerlicher und grimmiger, als er eigentlich war, denn er war in der Hauptsache verlegen.

»Ein Dichter! Wie kann ein kluger Junge so dummerhaft fragen! Schiller, Goethe, Lessing und Uhland sind Dichter, und dann die Loreley und die Wacht am Rhein und Heil dir im Siegerkranz, verstanden?«

»O, Teichmann, jetzt hast du nicht ein einziges Mal gereimt, wie kommt das?«

»Junge, du bist genau wie deine Mutter war, – die fragte mich auch immer das Blaue vom Himmel runter. Ich kann dir aber nichts Gescheites antworten. Das kommt eben vom Himmel geflogen, daß es dann so mit den Wörtern paßt.«

»Aber nun, Teichmann, aber nun? Es paßt ja gar nicht – – –«