»Weil ich in Wehmut und Aufregung bin, Bertold. Dann verliert sich das. Sobald milde Denkart eintritt, kommt das andere so sachtchen mit, ich merk’ es freilich selber nicht, Freund Brennstoff steckt mir auf das Licht, und Thereschen freundlich auf mich blickt und sagt: Mein Teichmann, du bist verrückt.«
Bertold lachte.
»Wie einem gleich froh ums Herz wird, wenn man bei dir ist, Teichmann. Ich war ganz unglücklich und zerschlagen vorhin. Vielleicht ist auch Grieg zu schwer und wunderlich. Er dürfte nur von musikalischen Menschen gespielt werden. Gelt, Teichmann, du verstehst mich doch, daß ich das so einfach sage? Klingt es sehr eingebildet? Denn ich spiele ja Grieg – o so gern!«
»Musik ist eine Gottesgabe. Ich kann nichts dafür, daß ich sie habe, und dir geht es ebenso, sei darüber ganz ruhig und froh!«
»Sieh, Teichmann, weil der Grieg so leicht aussieht, da meinen alle, sie könnten ihn spielen, und mein Vater sagte – – –: ›Das kleinste lyrische Stück von ihm sollte man erst einmal ein Jahr lang durchleben, ehe man wagte, es mit einem Instrument anzufassen‹.« –
Teichmann antwortete nicht. Vielleicht verstand sein einfacher Sinn nicht diese Tiefe der Auffassung, – aber sein feines Gefühl spürte aus den Worten des Knaben und aus der Art, wie dieser den Vater erwähnte, die grenzenlose Verehrung, welche dem verachteten Toten bewahrt wurde. Und mit einem Male fühlte er auch, daß das Leben dieses jungen Menschenkindes ein Dornenweg sein würde, voll Stacheln, voll Lieblosigkeit und Häßlichkeiten, wie der seiner Mutter. Und das Ende des Dornenweges?
Teichmann schüttelte seinen grauen Kopf. »Was kümm’re und vergrübel’ ich mich? Da oben ist einer klüger als ich.«
»Was murmelst du da, Teichmann? – Wenn sie nun morgen wieder mit mir spielen wollen, und ich kann es doch nicht mit anhören?«
»Ich will dir etwas sagen, Bertold.« Der alte Mann geriet in Begeisterung. »Du nimmst Beethoven mit. Ganz einfach Beethoven! Und den spielt ihr! Himmelherrgott, – den können sie einfach nicht verhunzen, – sie können’s nicht. Der bleibt immer Beethoven, – verstehst du, Sohn? Und wenn sie ihn dreschen und hacken oder schludern und verludern, – Junge, er bleibt Beethoven. Das ist einer, das ist einer!«
»Teichmann, du hast wieder nicht gereimt!«