Und die kopflose Puppe Emmy besaß ein furchtbar erregtes Stimmchen, das antwortete: »Gräßlich böse ist Liselotte, und aus und vorbei ist’s. Hans von Windemuth ist ganz schwach und dösig, er hat so schauderhaft geblutet und liegt immer noch zu Bett. Nie darfst du wieder zu Liselotte kommen, – du wärst ein Rowdy, hat Vater gesagt. Und wenn du wieder Geigen zerschlügst, solltest du lieber deine eigene Geige an deinem eigenen Kopf zertrümmern.«

»Meine Amati!« stammelte Bertold.

»Jawohl, deine Amati,« bestätigte Puppe Emmy ohne Kopf ungerührt. »Und es ist eine ganz schreckliche Geschichte. Hans wartet jetzt bloß, bis du ein Mann bist, dann fordert er dich zum Duell, hat er gesagt, und schießt dich tot.«

Bertold wollte laut rufen, daß er doch auch dabei den Hans totschießen könnte, aber sein Gerechtigkeitsgefühl verbot es ihm, und im Bewußtsein seiner Schuld senkte er tief den Kopf.

»Darf ich auch nicht, bis ich tot bin, mit Liselotte spielen?« fragte er zaghaft.

»Nein,« lautete Puppe Emmys unbarmherzige Antwort. »Die Liselotte mag auch gar nicht. Alle Leute sagen, du wärst so ein Zornnickel, daß man seines Lebens nicht sicher wäre.«

In Bertold begann sich schon wieder etwas zu regen, – es stieg ihm heiß ins Gesicht, und Tränen des Zorns füllten seine Augen.

»Wie die Nachtwächter habt ihr Beethoven gespielt,« brach er leise grollend los, »und dann nachher – – –«

»Wenn es doch aber wahr ist –« eiferte Puppe Emmy und stürzte sich in des Wortes vollster Bedeutung unüberlegt und »kopflos« in eine höchst gefährliche Situation, – »dein Vater hat doch auch –«

»Schweig!« schrie Bertold und sah mit seinen erhobenen Fäusten so schreckenerregend aus, daß Liselotte einen gellenden Schrei ausstieß.