Auf diesen Ausbruch lief sofort Rektor Tüllen herbei, und auch seine Schwester kam aus der Küche gelaufen, und die übrigen Kinder verließen ihre Spiele und schauten neugierig in das verbotene Gebiet des Grasgärtchens.
Da stand der Junge, der beste Schüler, der seit wenigen Tagen das schwarze Schaf des Städtchens war, mit rollenden Augen und knirschenden Zähnen, aber in Gegenwart des Herrn Rektors fürchtete sich Liselotte nun nicht mehr. Sie raffte Puppe Emmy an sich, nestelte an ihrer Tasche, die sich ziemlich dick und auffällig unter ihrer Schulschürze bauschte, und dann flog etwas vor Bertolds Füße, und noch etwas und noch etwas.
»Da! – da! und da!« rief diesmal nicht Puppe Emmy, sondern Liselotte, die ebenso blaß war, wie ihr ehemaliger Freund rot; und alle Schwarzhausener Kinder sahen mit Genugtuung, daß hier eine von ihnen längst geneidete Freundschaft in Stücke ging.
Unzählige Bildchen flatterten zur Erde vor Bertolds Füße, viele seltene Steinchen, getrocknete Vierkleeblättchen und bunte Glaskugeln – lauter Sachen, die Bertold ach so mühselig einst gesammelt und der kleinen, geliebten Freundin dargebracht hatte. Auch seine wertvollsten Marken waren darunter und selbstgezeichnete Bildchen – – es lag nun alles im Kies des Grasgärtchens, und viele schmutzige Kinderhände bückten sich danach und schlugen sich darum. – – –
Totenblaß, aber mit hoch erhobenem Kopf schritt der Knabe über all die verschmähten Liebesgaben hinweg, die Hände hatte er tief in den Taschen vergraben, seine Augen schauten geradeaus – – – so ging er zur Schultür und zum Hause hinaus, ohne sich nur ein einziges Mal umzusehen.
Zum erstenmal seit ungezählten Jahren stand Rektor Tüllen wieder im Hause Eichen vor dem alten Herrn, der einst sein Gönner und Brotgeber gewesen war.
Und daran, daß er dort wirklich wieder stand, konnte der Rektor die Kraft der Liebe ermessen, die ihn mit seinem kleinen Schüler verband.