Schwarzhausen selbst stürmte, brauste und gärte in ungeheurer Aufregung. – Daß man den Bertold nicht sofort auf den Schub gebracht und irgendwohin expediert hatte, war so echt Eikensch. Alles sah dem alten Einsiedler in Eichenborn aufs Haar ähnlich nach der Meinung der Schwarzhausener Bürger:
Daß er dem Herrn Professor Windemuth wieder nachträglich die ersetzte Geige mit einem groben Brief abgejagt und sie dem Bertold geschenkt habe, damit dieser ein großer Künstler werde, daß er den »Rektor Dillen« mit unerhörten Drohungen gezwungen habe, den Unterricht des Knaben im Hause Eichen zu übernehmen, und daß er mit dem jähzornigen Enkel zusammen nun einen bitteren Haß gegen alle gut gesinnten Bürger der Stadt fühle und immer neu schüre, so daß man sich ja wohl seines Lebens nicht mehr sicher fühlen könne. Wie wohl der ehrenfeste Herr Baldamus Eik darunter litt. Er sah in letzter Zeit recht schlecht aus – – – ein Jüngling war er ja gerade auch nicht mehr, und es wäre wohl die höchste Zeit für ihn gewesen, sich nach einer Hausfrau umzusehen, die dann vielleicht die Macht gehabt hätte, etwas mehr Zucht und Ordnung in den Eichenborn zu bringen. Das, was einige munkelten, – – Herr Baldamus stiege noch immer der schönen Witwe Malcroix nach, die ihn einstens verschmähte, war natürlich Unsinn, – die hätte wohl mit beiden Händen zugegriffen, wenn ihr Gelegenheit geboten wäre, sich warm und unabhängig vom Vater in Eichenborn festzusetzen. Denn Herr Baldamus besaß ein großes, eigenes Vermögen. – – –
Durch die dicken Mauern des Eichenborns drangen diese Gerüchte nicht.
»Wie kann ich Ihnen danken!« hatte Franziska Malcroix mit hellen Tränen in ihren schönen Augen den Rektor gefragt, als er zum erstenmal den Unterricht beginnen wollte.
»Ich habe zu danken!« lautete die ruhige Antwort, »daß Sie so viel Vertrauen hatten, mir dies seltene, liebe Kind zu überlassen.«
über die Bedingungen, die von beiden Parteien gestellt waren, sprachen sie nicht. Bertold, dem Nächstbeteiligten, war der Befehl seines Großvaters unbekannt geblieben.
Seine Freunde, von denen ja die Mutter sein allerbester war, wollten ihn nicht zum bewußten Ungehorsam verleiten, aber sie wollten auch nicht die Schuld auf sich laden, dies herrliche Talent verkümmern zu lassen, so ging Bertold jeden Tag eine Stunde in das Haus von Kantor Brennstoff, und dieser gab ihm gediegenen theoretischen Unterricht mit dem innerlichen, heißen Wunsche, Gott möge ein Wunder tun und irgendeinen großen Meister nach Schwarzhausen führen, der dann den Jungen mit sich fortnehmen würde.
Inzwischen führte Bertold ein strenges Leben der Arbeit.
Er sah so wenig frohe Menschen, es war, als ob die Luft des Hauses Eichenborn jedes Lachen im Keime erstickte.
Und Bertold hatte doch so gern gelacht.