»Bertold, Bertold!« krächzte der Papagei, und nun lachte der schlanke Junge, lachte so herzhaft, so klingend, so musikalisch, so aus dem Innersten heraus, daß es tönend von den Wänden zurückkam.

Da stand das Spinnrad plötzlich still, und der Stuhl, worauf die graue Gestalt saß, wurde polternd zurückgestoßen. Trippelnde Schritte näherten sich dem Knaben, dann umschlangen ihn zwei Arme, und er sah in ein gutes, altes Gesicht, dessen blaue Augen voll Tränen standen.

»Du Junge! Du Bertold! Du echter Eik mit deinem Eikschen Lachen! Willkommen bei Großtante Adelgunde!«

Es mußte ja ein Märchen sein. Bertold rieb sich immer wieder die Augen, aber der Papagei und das Spinnrad blieben und die graue Gestalt blieb auch leibhaftig vor ihm, nur daß sie jetzt geschäftig im Zimmer herumlief und kleine Kuchen, Obst und feine Schokolade vor Bertold hinsetzte mit der Aufforderung, tüchtig zuzulangen. Das tat der Junge gern, denn in seinem großen Kummer war er nicht dazu gekommen, sein Vesperbrot zu genießen. Nun saß er neben der plötzlich entdeckten Großtante, die wohl hundert Jahre nach seiner Schätzung zählte, und sie nötigte ihn immer wieder liebevoll zum Zulangen, bis auch kein Stellchen in seinem Magen mehr frei war.

»Jetzt erzähle!« bat die alte Dame.

»Warum ruft der Papagei immer Bertold?« wollte der Junge gern noch wissen, »er kennt mich ja gar nicht.«

»Das gilt deinem Großvater,« lachte leise die Großtante. »Früher war der Papagei immer bei ihm, – – aber er ist so sehr gelehrig und gewöhnte sich alles an, was dein Großvater rief – – hm, – das war oft lästig – wenn er es so unablässig wiederholte. Jetzt habe ich ihm alles bis auf den Namen seines früheren Herrn abgewöhnt, – – der ja auch der deine ist, mein kleiner Bertold!«

Sie war so vertrauenerweckend, die Großtante Adelgunde!

Weit tat sich Bertolds Herz auf und erzählte ihr alles, seine Freuden, seine Leiden, seinen ganzen letzten Kummer.

»Du stehst jetzt unter meinem Schutz,« bedeutete ihm die alte Dame. »Und du wirst nicht mehr heimlich beim Organisten Brennstoff spielen, sondern du wirst hier laut und deutlich bei mir üben, und ich werde nach E. schreiben und den besten Lehrer für dich bestellen. Du wirst gleich heute noch deine Geige holen und sie zu mir bringen, – du lieber Herrgott, ich soll wieder einmal eine Amati in den Händen halten – und vielleicht können wir beide sogar zusammen musizieren.«