»Von gestern ab gehört der Junge mir mit,« rief die alte Dame in ungewöhnlicher Lebhaftigkeit, »er selbst hat mein Reich erobert.«
In all den Tagen, die nun folgten, sah Frau Franziska ihren Vater wenig oder gar nicht, und Fräulein Adelgunde mußte es erleben, daß der Schachtisch und das Schachbrett völlig verwaist blieben.
Das war etwas Unerhörtes, und die Schwester nahm sich vor, dem Oberhaupt vom Eichenborn einmal wieder gründlich ihre Meinung zu sagen; als sie aber durch Zufall ihm begegnete, erschrak sie vor dem finsteren, gequälten Ausdruck in seinem Gesicht und verlor den Mut, ihn nach der Ursache zu fragen. Herr Baldamus von Eik war verreist.
Frau Franziska freute sich dieser Tage, – man hörte sie sogar mit ihrem Knaben lachen, und ihre Wangen bekamen einen Anflug feiner Röte, so daß sie oft wie ein junges Mädchen aussah.
So gern hätte sie nun recht gemütliche Mittagstunden mit ihrem Vater genossen, aber sobald sie mit Jung-Bertold das große Eßzimmer betrat, meldete ihr der Diener, daß Herr Eik von Eichen senior heute allein zu speisen wünsche. Dies »heute« bezog sich nun aber schon auf viele Tage. –
War es der junge Diener, der die Meldung machte, dann begnügte sich Frau Franziska mit einem Kopfnicken, – als aber Hieronymus Teichmann bei Tisch aufwartete und sie wieder nur zwei Gedecke erblickte, da trat sie rasch auf den alten Getreuen zu.
»Hieronymus, was ist’s mit dem Vater? Irgend etwas bedrückt ihn schwer, – ich sorge mich. Und du scheinst es zu wissen, Hieronymus, was hier vorgeht.«
Der Diener wich ihrem forschenden Blicke aus.
»Da ist nichts zu raten und nichts zu sagen,« murmelte er. »Haus Eichen hat einen guten Magen, und wenn wir dem lieben Herrgott trauen, kann der Eichborn auch das verdauen.«
»Ist es etwas sehr Schweres, Hieronymus?« fragte Franziska, ängstlich geworden, – – »ich kann es mir gar nicht zusammenreimen. Sind es etwa gar – Zahlungsschwierigkeiten?«