»Das ist die Arbeiterdeputation,« meinte er. »Wenn doch da unser Herr nachgeben wollte. Sie verlangen nicht zu viel, die Leute, es ist eben alles teurer geworden, und die Eiksche Fabrik sollte lieber mit gutem Beispiel vorangehen, als im alten Schlendrian verbleiben. Es gärt schon allzuviel unter den Böswilligen, aber das sind alles junge, verführte Leute, – unsere Arbeiter sind gut, – nur besser möcht’s eben jeder haben.«

»Ihr irrt euch,« tönte von drüben scharf und laut die Stimme, »zu mir kommt nur nicht mit so hirnverbrannten Ideen. Ob ich euch aufbessern kann, habe ich allein zu entscheiden, jedenfalls will ich es nicht, weil die letzte Aufbesserung erst vor Jahresfrist erfolgte und ich eine neue noch nicht für nötig halte; zwingen lasse ich mich nicht, das wißt ihr ja.«

Man konnte die Erwiderung nicht verstehen, aber jedenfalls wurde sie von einem Einzelnen in heftigem Ton gegeben.

»Der Heinrich Liebetraut ist’s,« murmelte Hieronymus ängstlich. »Nur beim Reden tut der Kerl nicht faul, – ich wollt’, er hielte jetzt – den Mund.«

Dem treuen Hieronymus versagte plötzlich der beabsichtigte, kräftigere Reim, denn drüben hatte Herr von Eik mit seiner kräftigen Faust auf den Tisch geschlagen. »Hinaus!« brüllte er, »macht, daß ihr hinaus kommt!«

Dann ein nicht eben sachtes Türenschlagen, das erregte Sprechen von drei oder vier Menschen auf dem Hausflur und hastiges Entfernen stark und polternd auftretender Männerfüße.

Mit klopfenden Herzen standen Franziska und Bertold nebeneinander, während Hieronymus leise das Zimmer verlassen hatte. Er konnte es nicht mit ansehen, wie eine Speise nach der anderen unberührt stehen blieb, und er konnte auch nicht der verehrten Tochter seines Herrn ganz genau Rede und Antwort stehen, konnte vor allen Dingen ihren ernsten, reinen Augen gegenüber nicht der Aufklärende sein, der ihr sagte, daß ihre letzte Zuflucht, ihre geliebte Heimat, in welche sie sich aus Unehre und Schmutz gerettet, längst eines eisernen Besens bedürfe, der viel Fäulnis, viel böse Stoffe herauskehren müsse.

Als Hieronymus die Tür öffnete, steckte Herr Eik von Eichen senior zur gleichen Zeit den Kopf aus seinem Zimmer herein, und der Diener erschrak, so grau und verärgert sah das Gesicht aus, so zornig die Augen zwischen den starken Brauen.

»Ich bin für niemand zu sprechen,« rief der alte Herr ihn an, »für niemand, weder jetzt, noch nachher, noch heute abend. Sorge dafür, daß keine Menschenseele auf diesen Flügel kommt, – meine Tochter und ihr Sohn sollen anderswo essen.«

»Sehr wohl, Herr von Eichen!« war die leise Antwort des bestürzten Hieronymus, und dann war er auf leisen Sohlen zu Frau Franziska zurückgekehrt, um ihr Bescheid zu bringen. Sie entfernte sich traurigen Blickes mit Bertold, – gar zu gern hätte sie mit ihrem Vater alle Vorgänge besprochen, wäre ihm so gern eine verständnisvolle Gefährtin gewesen in all diesen Wirren einer neuen Zeit, die den patriarchalischen Zuschnitt vom Hause Eichenborn längst nicht mehr verstand.