Aber Franziska wußte, daß ein Hereinreden in den väterlichen Zorn ihn nur noch mehr schüren und zur lodernden Flamme anfachen würde.
Mit mächtigen Schritten durchmaß der alte Herr sein Riesenarbeitszimmer. Beide Hände hielt er geballt, – ein schweres Stöhnen, unartikulierte Laute, die beinahe nichts Menschenähnliches hatten, entrangen sich seiner heftig atmenden Brust. Ein Jähzornanfall schlimmster Art hielt ihn gepackt, dabei schlug sein Herz hart und schmerzhaft gegen die Brust, und kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Immer wieder nahm er die Wanderung auf, der dicke Teppich minderte nur wenig das Dröhnen seiner Schritte.
Wütende Flüche und eine Flut von Schmähungen ergossen sich aus seinem Munde, er tobte in wilden Drohungen, bis er sich erschöpft niedersetzen mußte. Aber auch jetzt noch umkrampften seine großen Fäuste die Lehnen des tiefen Sessels, als wollte er sie zerdrücken. – – –
»Da bist du ja!« tönte ein durchaus tapferes, selbstbewußtes Stimmchen durch die schwüle Zornatmosphäre des großen Raumes. Liselotte Windemuth schloß sorgfältig die Tür wieder, legte beide Händchen auf den Rücken und schritt ruhig zum Arbeitssessel des alten Herrn. »Wo hast du Puppe Emmy?« fragte sie energisch.
Herr von Eik griff mit beiden Händen nach seinem Kopfe. Es sah aus, als glaubte er eine Erscheinung vor sich zu haben. Dann wich allmählich dieser Wahn von ihm, um einem erneuten Wutanfall Platz zu machen. Beide Hände hob er, als wolle er diese unglaublich freche, kleine Person da vor ihm niederschlagen.
Liselotte fing aber die Hände unterwegs auf und hielt sie fest. »Was machst du denn?« fragte sie unwirsch. »Du hast wohl Angst, ich tu’ dir nun was? – Ich will bloß mein Kind wieder haben. Auch wenn’s noch krank ist. Macht nichts! Gib’s her!«
»Ich habe es nicht,« stotterte Herr von Eik verblüfft. Ja, es muß gesagt werden, der grimmige, jähzornige, gegen jegliche Gefühlsduselei abgehärtete Herr von Eik war verlegen diesen blauen, unerschrockenen Kinderaugen gegenüber, besonders weil noch etwas anderes aus ihnen sprach, eine wirkliche, mütterliche Angst um ihr Puppenkind.
Und der alte Herr war all sein Lebtag ein zu gewissenhafter Mensch und Geschäftsmann gewesen, als daß er jetzt nicht eine Art unbehaglicher Beschämung empfinden sollte, weil er das Eigentum eines anderen verschleppt hatte. Wo in aller Welt hatte er Puppe Emmy gelassen?
Ob er diese Frage laut getan hatte? Jedenfalls zog sich Liselotte Windemuth einen der großen Sessel herbei, lehnte sich behaglich hinein und meinte: »Besinn dich nur, – ich habe Zeit!«
Dieses Wort hatte sie öfters von ihrem Väterchen gehört, wenn sie irgendeinen wertvolleren Gegenstand verschleppt hatte und sich nicht erinnern konnte, wohin er gekommen war. –