»Warum hat dich denn niemand der Mutter fortgenommen?«

»Das sind sehr unanständige Fragen, Liselotte, du solltest dich was schämen. Es hat eben nicht jede Jungfrau das Glück – – –, ich meine, – nicht jede Jungfrau kann sich entschließen, ihr gottwohlgefälliges Leben aufzugeben.«

»Bitte, sag’ das noch mal langsam, Base Juliane, und erkläre mir’s recht ordentlich – – – so kann ich dich nicht recht verstehen.«

»Du schreckliches Kind! Nein, das ist nichts für dich. Durchaus nicht. Wo du nur immer die Fragen her hast!«

Liselotte saß tief nachdenklich da.

»Base Juliane, wenn nun aber der Mann alt und schrecklich ist und das Kind ganz kopflos – – –«

»Du gerechter Gott,« schrie Base Juliane, »wie kommst du bloß auf so was Fürchterliches! Das muß ich deinem Vater erzählen. Kind! Hast du etwa schlechten Umgang? Mit wem redest du so am Tage?«

»Nur mit dir,« meinte Liselotte harmlos. »Mit dir und den Puppen, aber sie wissen mehr als du und fahren mich nicht an und petzen nicht alles, was ich sage, dem Väterchen.«

»Nur zahm, nur zahm!« meinte Base Juliane und sah doch selbst aus wie ein geharnischtes Sonett. »Das ist längst nicht gepetzt, wenn ich so gefährliche Sachen dem Herrn Professor wieder erzähle. Weiß Gott, kein anderes Kind aus Schwarzhausen würde solche Dinge gefragt haben.«

In voller Entrüstung stand sie auf, räumte Zitwersamen und Sirup fort, und Liselotte wischte sich das klebrige Mäulchen ab, packte ihren Puppenwagen voll geliebter Babys und murmelte dabei unverständliche Worte, von denen die entsetzte, kopfschüttelnde Base nur immer wieder: »Alter schlechter Kerl« und »Kopfloses Kind« verstand.