Liselotte gab der Staatsdame einen derben Stoß, so daß sie auf die Bank polterte und mit geschlossenen Augen liegen blieb.

»Siehst du, daß du tot bist? Du konntest es gleich sagen, du arme, häßliche Person, dann hätte ich dich nicht erst so angefahren. Komm, ich will dich begraben, – ich habe es erst gestern gesehen beim Nachbar. Base Juliane nahm mich mit auf den Kirchhof, – ich weiß alles gut.«

Liselotte sah sich aufmerksam um. – Der Waldboden rings umher hatte lockere, weiche Erde, und mit einem flachen Stein und ihren eigenen, festen, kleinen Händen grub sie rasch und emsig ein genügend weites Loch. –

»Kinder, ihr müßt jetzt stark weinen, es kommt was Trauriges,« wandte sie sich an die anderen Puppen und fing sogleich selbst ein jammervolles Heulen und Piepsen an.

»So, und nun ein Choral! – Lobe den Herrn, den mächtigen König der Ehren,« sang sie andächtig, und währenddem hob sie die Staatsdame vorsichtig auf und trug sie unter die Tannen hin, wo sie feierlich in die Erde gebettet wurde. Und da gerade die Sonne durch die grünen Zweige auf das Grab schien, gab Liselotte noch ein Lied zu: »Goldne Abendsonne, wie bist du so schön!«

Dann schickte sie sich an, das Grab zuzuschaufeln.

»Was spielst du denn da?« fragte eine tiefe Stimme hinter ihr.

Liselotte fuhr herum und starrte ihren größten Feind und Widersacher an.

»Beerdigen!« meinte sie kurz und ließ sich nicht weiter stören, sondern grub und schaufelte, bis auch nicht ein Schimmer des himmelblauen Seidenkleides mehr zu entdecken war.

Tief atmend sprang Liselotte auf und wischte sich mit den schwarzen, erdigen Händen die feuchten Locken aus dem erhitzten Gesicht.