Schwarzhausen schüttelte wieder einmal den Kopf.

Da lag das kleine Städtchen so recht warm eingebettet in den thüringer Bergen, durchduftet von Tannenluft, umrauscht von der lustigen, wilden Gera. Es war wohlhabend und stattlich gebaut, es hatte treue Väter, die sein Wohl zu dem ihrigen machten, aber es hatte Sorgen, und so kam es eigentlich nicht aus dem Kopfschütteln heraus.

Sorgen um das schwarze Schaf inmitten der reinlichen, frommen, guten und vor allen Dingen ach, so selbstgefälligen Schäflein, – Sorgen um den Eichenborn. Würde er das Städtchen nie zur Ruhe kommen lassen???

Nun hatte Schwarzhausen wohl einen treuen, guten Stadtvater, der sich mit gelegentlichem Kopfschütteln begnügte und wohlmeinend murmelte: »Wir verdanken den Eiks eigentlich alles, und wenn ich bloß reden dürfte – –« Aber es hatte keine milde, liebe, ältliche, rundliche Stadtmutter, sondern eine unendlich lange, hagere, spitze Frau Bürgermeisterin, die es sich nicht einfallen ließ, wie gute Mütter tun, sich von der mutmaßlichen Schlechtigkeit ihres Kindes persönlich zu überzeugen, sondern die in vielen, besonders zu diesem Zwecke anberaumten Kaffeegesellschaften die Abneigung gegen den Eichenborn und seine Bewohner noch schürte. Und wenn der Kaffee auch koffeïnfrei war, den die Frau Bürgermeisterin ihren Gästen vorsetzte, ihre Reden waren es nicht, in denen saß das Gift und harrte seiner Bestimmung.

Schon nach der dritten Tasse waren beinahe alle Damen einig darüber, daß es so nicht weiter gehen könne.

Und daß Frau Pfarrer Klingenreuter und Frau Doktor Hempel so arg zugeknöpft taten und besonders die Pfarrerin so gar nichts gegen, wohl aber manch mildes Wort für die Verurteilten einlegte, nun das war ihre eigene Sache und störte die bösen Zungen nicht im mindesten in ihrem Verdammungsgeschäft.

»Das ist nun eben Ihr Beruf, Frau Pfarrer,« meinte die Bürgermeisterin, »ich könnt’s nicht, meine Ohren und Augen sind zu offen dazu.«