„Der mosaische Gedanke eines ewigen Volkes scheint sich verwirklichen zu wollen.... Als ein frappantes, biologisches Ergebnis dieser Auswählungsidee tritt uns die Tatsache des Bestehens der noch immer ungewöhnlichen Lebens- und Reproduktionskraft der Juden entgegen”. Und an anderer Stelle: „Der jüdische Stamm vermehrt sich ausserordentlich rasch und vermehrt sich etwa 3,03 mal rascher als die nichtjüdischen Stämme und würde sich bei ungestörter Entwicklung in einer etwa 4,02 mal kürzeren Periode verdoppeln als jene.”
Also sprach die offizielle jüdische Statistik zu Beginn unseres Jahrhunderts (über die weitere Haltung und Aeußerungen noch mehr und später). Auch die anthropologische Wissenschaft sah in der Persistenz der Juden ein förmliches Gesetz. Andree behauptete sogar: „Bei den Juden ist die Rasse stärker als die Religion. Es ist den Juden einfach unmöglich, sich mit anderen Völkern zu vermischen.”
Leroy-Beaulieu, ein kleiner statistischer Papst in der Wissenschaft, der insbesondere auf dem Gebiete jüdischer Fragen als Kenner galt, erfand folgende Theorie: „Die Juden setzen wenige Kinder in die Welt, aber sie bringen mehr zur Reife. So haben sie dies schwierige Bevölkerungsproblem in einer Weise gelöst, welche für sie selbst die vorteilhafteste und für die Nationalökonomie die befriedigendste ist.”
Aehnlich äußerten sich die führenden deutschen Statistiker u. a. M. Hoffmann, de Neuville, Fircks. Der Rassenhygieniker von Gruber schrieb 1908 in den Veröffentlichungen des Deutschen Vereins für Volkshygiene:
„Noch eins lehrt uns das Beispiel der Juden. Sie hätten unmöglich diese Jahrhunderte beständigen Kampfes um ihre Existenz überdauern können, wenn sie nicht einen so gesunden Instinkt und eine so bewunderungswürdige Aufopferungsfähigkeit für die Erhaltung ihres Volkes besessen hätten. Der junge Mann, kaum erwerbsfähig geworden, hält es für seine Pflicht, seinem Volke unter Entbehrungen und harter Arbeit zahlreichen Nachwuchs aufzuziehen:
SO WIRD EIN VOLK UNSTERBLICH!”
Geschah dies am trockenen Holz der Wissenschaft — und wenn wir deren Bäume kräftig schütteln würden, flögen noch viele andere Früchte dieser Art herab — wer wird sich wundern, wenn die jüdischen Theologen erst recht die alten Weissagungen (bestärkt durch die Ergebnisse der 2 1/2 Jahrtausend Geschichte) gesinnungstüchtig auslegen, wenn die politischen Führer der jüdischen Organisationen die Daseinsmöglichkeit der Ihren als eine alte historische Notwendigkeit hinnehmen. Umsomehr als selbst ein so kluger Mann der Feder, der sich selbst einmal außerhalb des jüdischen Volkes hatte stellen wollen, wie Heinrich Heine, Israel ins Gedenkbuch schrieb: „Aegyptens Mumien sind ebenso unverwüstlich wie jene Volksmumie, die über die Erde wandelt, eingewickelt in ihre alten Buchstabenwindeln, ein verhärtetes Stück Weltgeschichte ...” Und ein jüngerer, — Bernhard Münz — münzte diesen Gedanken in die Worte um: „Ein Volk schreitet mitten durch die ganze Geschichte der Menschheit, spiegelt sich in dem größten Teil ihrer Entwicklung wieder und taucht aus allen Prüfungen und Umwälzungen der Zeit immer wieder gestählt und gekräftigt empor.”
Wohl gab es abwegige Urteile. Aber die breite Masse der Juden blieb von der Ideenwelt der Pessimisten unberührt. Sie nahm keine Notiz von der Broschüre eines anonymen Verfassers, die etwa 16 Seiten stark 1894 in Zürich erschien und „Der Untergang Israels” hieß. Ich wurde auf sie aufmerksam durch einen tiefer schürfenden Artikel Arthur Kahns, der sich auf sie bezog. Der Aufsatz Kahns in den U. O. B. B. Logenblättern „Die Wurzeln des Uebels” rührten an den tiefsten Gründen der Judenfrage. Neben Kahn haben Zollschan in seinem Buch „Das Rassenproblem” und Dr. Arthur Ruppin in den „Preußischen Jahrbüchern” die bedrohliche Situation in ihrem Ausmaße erfaßt. Im Gegensatz zu dieser nicht gerade großen und nicht eindrucksvoll genug wirkenden Literatur stand die unzählig oft in Wort und Schrift dokumentierte öffentliche Meinung der Rabbiner, Lehrer, Beamte, Vorstände der Gemeinden, Führer und Vorsitzenden der Verbände, der Redakteure und Mitarbeiter der jüdischen Presse, die dem Zukunftsglauben der Juden in Deutschland huldigten, und ihnen täglich mit dem an Mitteln reichhaltigen Arsenal und mit der Emphase ihrer Begeisterung und ihrer Liebe zum Judentum in warmherzigen Versicherungen schmeichelten, die zwar an Schwung den biblischen nachstanden, den Ansprüchen der braven Judenbürger aber genügten.
Meine eigensten Untersuchungen dieses Problems begannen vor 18 Jahren, wobei ich als Schüler mich wohl eines nom de guerre (meines mütterlichen Namens) bedienen mußte. Es war eine Untersuchung, deren Inhalt der Titel verrät: „Der Untergang der deutschen Landjuden” (gezeichnet Felix Th.-Cohen) publiziert im „Frankfurter Isr. Familienblatt”. Ich hatte die Verhältnisse und die Entwicklung der jüdischen Dorfgemeinden Hessen-Nassaus und Unterfrankens auf verschiedenen Ferienreisen übersehen, ihr Schicksal gezeichnet. In den nächsten Jahren arbeitete ich an einem statistischen Werdegang der deutschen Juden. Immer deutlicher ergaben sich aus den Zahlenreihen der dumpfe Drang und die unaufhaltsame Bewegung der Auflösung. Umgearbeitet nach diesen Gesichtspunkten nahm Jahre lang kein Verleger von diesem Buch Notiz. Und als es erschienen, konnte es in der dumpfen Atmosphäre und grauenhaften Stagnation der deutschen Judenheit nicht einmal die nachhaltende Aufmerksamkeit der jüdischen Führer bewirken.