Die geringe Zunahme der preußischen Juden in der Landwirtschaft ist cum grano salis zu verstehen. Von 2355 hier tätigen Juden waren 1406 Frauen, zwischen den letzten zwei Zählungen wurden 162 jüdische Männer weniger und 867 Jüdinnen mehr vorgefunden. Anscheinend wurde früher die Arbeit der Jüdin in der Landwirtschaft statistisch schlecht erfaßt, während heute die Frauen der Juden auf dem Lande, soweit sie im Stall und auf dem Feld helfen, als landwirtschaftlich erwerbstätig gezählt werden. Die Zahl von 949 Männern gegenüber 1406 Frauen gibt zu denken. In der Hauptsache interessiert uns die Zahl der erwerbstätigen männlichen Landwirte, von denen die selbständigen in der Zeit zwischen den letzten Berufszählungen um 30% abgenommen hatten.

Die Landwirtschaft hat bei den deutschen Juden keinen goldenen Boden. Der 12. Jahresbericht des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden verkündet resigniert: „Die meisten der landwirtschaftlich ausgebildeten Eleven haben den Wanderstab ergriffen und sind größtenteils nach Amerika ausgewandert, während einige in Ungarn und neuerdings auch in Palästina Beschäftigung gefunden haben”. Nach diesem Jahresbericht verteilen sich die in der Landwirtschaft hauptsächlich beschäftigten 3727 Juden (wohl in ganz Deutschland gezählt) in

  1. 930 Eigentümer und Miteigentümer,
  2. 126 Beamte, Aufseher, Büropersonal,
  3. 155 Knechte, Arbeiter,
  4. 2887 hauptberuflich mittätige Familienangehörige,
  5. 179 Gärtner und Tierzüchter.

Unter den 930 Eigentümern verstehen sich auch die Großgrundbesitzer und Gutsherren, die sich ein Rittergut anschafften. Die Zahl der wirklichen jüdischen Landwirte ist recht klein geworden und schrumpft immer mehr zusammen. In Bayern gab es

1882 2005 Landwirte = 9,7% aller erwerbstätigen Juden,
1895893 = 3,9%,
1905723 = 2,9%.

Ja, es gibt in Deutschland eine Judenheit, die so gut wie gar keine landwirtschaftliche Bevölkerung unter sich hat, nämlich die sächsische, die insgesamt sieben agrarisch berufstätige ermittelte. Einige Landwirte mehr zählte Württemberg.

Nach Segall (7. Jahrgang d. Zeitschr. f. St. d. J.) war die Beteiligung der Juden in der Landwirtschaft in Deutschland:

selbst. Angest. Mithelf.
Fam.-Angeh.
Arbeiter Insgesamt
männliche { 189516167616793371
19071011702096 5693746
weibliche { 1895 419 3 7861108
1907 324141688 1492175

Von 5772 in der Landwirtschaft (1907) nach Segall gezählten Juden (nach der Addition wären es 5921!) üben 514 ihren Beruf in den Großstädten über 100000 Einwohner aus, das sind 8,8% aller landwirtschaftlich tätigen Juden. Segall interpretiert diese Erscheinung: