Wie aber war die Haltung der jüdischen Bevölkerung vor dem Ausbruch des Krieges? Die Juden haben sich in allem überaus würdig benommen. Daß sie als Kaufleute und Bankiers usw. nicht wie die Militärs beständig sich um die Militärangelegenheiten bekümmerten, ist selbstverständlich. Das berühmte „jüdische internationale Großkapital“, von dem soviel gefabelt wird, ist nie in Aktion getreten. Die jüdischen Bankiers und die jüdischen Kaufleute benahmen sich nicht anders wie die andern Schichten der Bevölkerung. Ruhig und ernst, wie es der Situation entsprach, als ihre Söhne entweder freiwillig oder als Militärpflichtige hinauszogen. Reiche Gaben und Spenden flossen allen Instituten von ihnen zu. Und was in der Heimat geleistet werden konnte, wurde getan. Männer wie Ballin, Rathenau, Riesser ruhten im Kriege nicht. Es ist noch nicht die Zeit, ihrer Verdienste für die Volksernährung, für die Munitionsergänzung und anderer Dinge zu gedenken.[15]
Die deutschen Juden hatten schon in Friedenszeiten eine zu geringe Vermehrung. Zu viele blieben aus wirtschaftlichen Gründen oder aus Laune Junggesellen; die vielen Spätehen der akademischen Kreise und der Kaufleute bedingten einen hohen Prozentsatz kinderloser Ehen. Die, die Kinder haben, begnügen sich mit zweien. Auf die deutsche Judenheit, welche eine geringere Geburtenziffer als die Franzosen hat, wird der Krieg eine unheilvolle Bedeutung haben. Er rächt die Beschränkung der Kinderzahl.
Die durch Taufe und Mischehe und Kinderlosigkeit geschwächte deutsche Judenheit weiß, daß dieses elementare Ereignis ihre Reihen noch mehr lichten wird. Alte Familien werden durch den Krieg erlöschen, die deutsche Judenheit wird unendlich geschwächt und in ihrer Existenz erschüttert aus dem Kriege hervorgehen.
Die jüdische Jugend zahlte gern die Teilnahme an der deutschen Kulturgemeinschaft mit dem Tode.
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Juden im Ausland.
Italien, Frankreich, England sind judenarm. Italien hat nur 40000, Frankreich 120000, England nicht ganz 300000, also alle drei Länder zusammen nicht viel mehr als Preußen. In der englischen Regierung saß vor 35 Jahren ein bedeutender Jude, Lord Beaconsfield, der mit Bismarck eine Verständigung der beiden Länder herbeiführte. Heute hat im britischen Ministerium nur Lord Samuel ein Portefeuille, das des Postministers, der nur in seinen Angelegenheiten eine Stimme hat.
In Italien ist der bekannte Sonnino der Sohn eines getauften italienischen Juden und einer englischen Christin. Außerdem ist in Italien der Finanzminister Luzzatti Jude, der sich ursprünglich gegen den Krieg aussprach.[16] Das judenreinste Kabinett Rußlands trägt die Hauptverantwortung für diesen Krieg. Das Land, in welchem die Juden am wenigsten zu sagen haben, hat am stärksten zum Kampf gedrängt.