Er geht denn von uns, aber sein Geist wird weiter leben und die Erinnerung werden wir stets hochhalten.«

Im »Reutlinger Generalanzeiger« (Nr. 16 vom 19. Januar 1918) gab sein Hauptmann auch noch öffentlich Kenntnis von seinem Heldentode:

»Am 13. 1. 18 fiel durch Herzschuß im Luftkampf der Leutnant der Reserve und Beobachtungsoffizier Max Pappenheimer, Inhaber des Eisernen Kreuzes 1. und 2. Klasse und der goldenen Verdienstmedaille. Sein Wort: »Es liegt im Wesen des Soldatenberufes, vor dem Feinde freudig sterben zu wissen« kennzeichnet diesen tapferen Offizier und lieben Kameraden. Es war einer unserer Besten. Ehre seinem Andenken.

Sommer

Hauptmann und Führer einer Fliegerabteilung.«

Die Redaktion des Reutlinger Generalanzeigers bemerkt hierzu im redaktionellen Teile:

»Max Pappenheimer gefallen. Heute erreichte uns die schmerzliche Kunde, daß Max Pappenheimer, der der Schriftleitung des Reutlinger Generalanzeigers in den Jahren 1912 und 1913 angehörte und noch lange in engen Beziehungen zu ihr stand, als Fliegerleutnant den Tod fürs Vaterland gestorben ist. Ein Herzschuß hat im Luftkampfe seinem Leben ein jähes Ende bereitet. Für die breitere Oeffentlichkeit ist der Gefallene einer von den vielen Tausenden, die ihr Leben für den Schutz des Vaterlandes in die Schanze schlagen; uns war er mehr: ein treuer, schaffensfroher und wertvoller Mitarbeiter, ein Mensch vorbildlichen Charakters nach jeder Richtung. Wir können auch für uns nur wiederholen, was Major Sommer in der amtlichen Trauerkundgebung zum Tode Pappenheimers sagt: Er war einer unserer Besten.«

Die Anführung der Daten und Taten, die Betonung der äußerlichen Anerkennung, die Verleihung von Rang, Orden und Ehrenzeichen — diese Summation von objektiven Erscheinungen bleibt das Primäre unserer Darstellung. Ohne diese lauten Gunstbezeichen der großen Welt, fehlt dem Helden die offizielle Charakterisierung. Aber so sehr die starken Ereignisse das erste und letzte Wort haben, es gibt Imponderabilien, die Gewicht haben: seine gemütliche Stimmungen und seelische Regungen, welche einen so starken Wert haben, daß sie als Erinnerung über den Kreis der nächsten Freunde hinauswirken. Solche documents humaines, die wir einzeln nicht mit den gewöhnlichen Maßstäben, mit Scheffeln messen können, erschließen uns erst recht das Innerste und Tiefste, die psychische Verfassung der jüdischen Jugend. Daß wir im Nachlaß der anerkannten Matadoren auf Zeugnisse ausgeprägter Persönlichkeit, auf prächtigen Humor und Geistesgröße stoßen, versteht sich am Rande; aber auch der Nachwuchs, dem es nicht vergönnt war, den höchsten Lorbeer zu pflücken, zeigt kerngesunde, männliche und opferwillige Art.

Einer von ihnen war Heinz Bettsak. Mit 21 Jahren, zu Beginn des Weltkrieges, bereits Referendar und Doktor der Rechte in Berlin, trat er am 1. August 1914 als Kriegsfreiwilliger bei den Zietenhusaren ein. Wie viele andere konnte auch er es nicht erwarten, bis er die »endlose« Ausbildungszeit hinter sich hatte und ran an den Feind durfte.