Nun bin ich erst wenige Tage hier oben bei den Bayern, und doch habe ich soviel erlebt und mitgemacht, wie ein alter Krieger. Schleichpatrouillen an den Feind, Beschießungen durch franz. Gebirgsartillerie, Nachtgefechte. Und alles gut und heil überstanden. Meine persönliche Stellung im Regiment ist eine fast märchenhafte. Während andere Kriegsfreiwillige sich wie jeder gemeiner Soldat abplagen müssen, behandelt man mich hier ganz unverdientermaßen chevaleresk. Wenn ich mich nicht von selbst zu diesem oder jenem Dienst erböte, man ließe mich von jeder Arbeit unbehelligt. Ich rangiere unter den jüngsten Offizieren in dem kleinen Kasino, das der Bataillonsstab unten im Dorfe gegründet hat und wo ein Regensburger Koch uns ausgezeichnet verpflegt. Man zollt mir für jedes kleinste Wagestück reiche Anerkennung, insbesondere mein Hauptmann, zu dem ich eine innige Zuneigung gefaßt habe, läßt keine Gelegenheit außer acht, mich dem inspizierenden Regiments- oder Brigadekommandeur vorzustellen.

Belval, 30. 12. 14.

Liebste, beste Eltern!

Vom Regimentskommandeur selbst zum Unteroffizier und Ritter des Eisernen Kreuzes für »vorbildliches, tapferes und schneidiges Verhalten« vorgeschlagen. Bin leicht verwundet und liege z. Zt. hinter der Front in B. Näheres folgt. Seid ohne Sorge.

Euer treuer Heinz.

Ein Brief von fremder Feder zeigt, wie stark der Eindruck war, den der junge Kriegsfreiwillige auf seine Vorgesetzten hinterließ und wie lebenswahr der Inhalt seiner Briefe ist. Wir lassen zum Beweis einen dieser Dokumente folgen:

A. 1. I. 1915.

Lieber Bettsak!

Ltn. Gropius, der heute hier war, erzählte uns wie ausgezeichnet Sie sich bewährt haben. Ich gratuliere Ihnen aufs Herzlichste. Schöner als alle Anerkennung — das Eiserne Kreuz wird ja sicher nicht ausbleiben — wird Sie ja das Bewußtsein glücklich machen, voll und ganz Ihre Pflicht getan zu haben. — Hoffentlich sind Sie bald wieder wohl auf. Ich würde mich freuen, bald wieder etwas von Ihnen zu hören und bin mit den besten Grüßen Ihr