J. Zürndorfer

»Ich bin als Deutscher ins Feld gezogen, um mein bedrängtes Vaterland zu schützen. Aber auch als Jude, um die volle Gleichberechtigung meiner Glaubensbrüder zu erstreiten«, heißt sein Bekenntnis in seinem Testament.

Ebenso verunglückte der Kriegsfreiwillige Jakob Lichtenstein bei der Fliegerabteilung Elsenmühle. Lichtenstein stammte aus Neustadt bei Pinne.

In Gotha stürzte der Sohn des Stuttgarter Buchhändlers Karl Levi, der 21jährige Eugen Levi ab. Ein elsässischer Jude Martin Bloch aus Markirch erlitt 1916 dasselbe Geschick.

Dasselbe Los fand ein ausländischer Jude, der — wie viele andere — die Sympathien für Deutschland mit dem Leben büßte.

Der Flugzeugführer Arthur Chasanowicz (im Jahre 1892 geboren) studierte auf der Technischen Hochschule in Charlottenburg, wo er auch sein Diplom-Ingenieur-Examen ablegte. Bei Ausbruch des Krieges meldete er sich, obwohl er Russe war — sein Vater stammt aus Grodno, — freiwillig als Motorradfahrer bei verschiedenen Truppen, wurde aber abgewiesen, da er herzkrank sei. Er ließ sich in der Kgl. Charité in Berlin daraufhin untersuchen und hierbei wurde festgestellt, daß zwar eine beträchtliche Herzneurose aber kein ausgeprägter Herzfehler vorliege. Daraufhin meldete er sich nochmals bei der Fliegerabteilung in Adlershof-Johannisthal; er wurde zum 1. Februar 1915 eingestellt. Zuerst wurde er als Infanterist in Alt-Glienicke bei Adlershof ausgebildet. Auf der Fliegerschule in Johannisthal machte er seine Pilotenexamen und wurde dann als Flugzeugführer zur Art.-Beobachterschule nach Jüterbog, Altes Lager, abkommandiert. Von dort aus unternahm er größere Ueberlandflüge. Auf einem solchen Fluge verunglückte er am 26. September 1915 beim Aufstieg auf dem Flugplatz in Breslau (Gandau) und starb im dortigen Lazarett am 1. Oktober 1915. Ueber diese Fahrt gibt sein letzter Brief vom 25. September 1915 näheren Aufschluß. Die Beerdigung nach erfolgter Ueberführung nach Berlin war am 5. Oktober 1915 in Weißensee.

Arthur Chasanowicz

Breslau, den 25. August 1915.

Liebe Eltern!