Nach einer durch wunderschönes Wetter begünstigten Fahrt von vier Stunden bin ich glücklich in Breslau angekommen. Eine solch schöne Fahrt habe ich noch nie gemacht, denn heute konnte ich recht die Freuden des Luftsportes kennen lernen. Ich flog über den Spreewald, über die Schlesische Seenplatte und die großen schlesischen Städte, die sich endlos an den Chausseen entlangziehen. Doch den schönsten Anblick genoß ich, als sich am Himmel, immer deutlicher werdend, das Riesengebirge dunkelblau schimmernd vom hellblauen Himmel abhob. Hoch hinaus ragte die Schneekoppe, der ich zu gern einen Besuch in der Luft abgestattet hätte. Wunderschön kam dann hinter dem Riesengebirge das Glatzer Bergland und die Böhmischen Höhenrücken hervor, so daß ich das schönste Panorama genoß. Als ich die Oder erreichte, auf der die Schiffe wie kleine Punkte aussahen, wurde es zwar schlechtes Wetter, doch kam ich glücklich in Breslau an. Wenn auch der Flug etwas anstrengend war, so war er doch der schönste, den ich bis jetzt gemacht habe. Ich habe einen Leutnant mit, der gerade nicht allzu nett ist, aber das stört mich nicht. Er kam nämlich auf diese Weise per Flugzeug zu seiner Großmutter zu Besuch, um ihr zu ihrem heutigen 75. Geburtstage zu gratulieren. Er wird sich sicherlich schon genug dort aufgeblasen haben, was er alles kann; sich sein Flugzeug anspannen lassen und dann »Kutscher auf, nach Breslau geflogen« ...

Den zweiten Genuß bot mir nun die Stadt Breslau. Ja, wenn ich nun hier längere Zeit bleiben könnte, um das alles in mich aufzunehmen, was die Stadt architektonisch bietet, und was ich jetzt erst richtig verstehen und schätzen kann, dann würde ich unendlich viel lernen. Vielleicht, daß ich bitte, mich für einige Wochen nach Breslau zu versetzen. So konnte ich nur alte Erinnerungen auffrischen und konstatieren, daß ich recht viel behalten habe, so daß ich sogar die Straßen und die Lage der einzelnen Gebäude noch wußte. Hier merkt man auch sehr wenig vom Krieg. Die Leute bummeln auf den Hauptstraßen wie auf der Tauentzien, und auch ich werde mir heute Abend den Rummel ansehen. Ich wohne direkt fürstlich gegenüber einem Soldatenquartier in dem feinsten Hotel, in einem Damensalon mit Waschtoilette, Frisierspiegel und Toilette, Spiegelschrank und noch ein paar Spiegel, Damenschreibtisch mit zierlichen Möbeln, elegantes Bett mit wundervollen Gobelin-Dekorationen darüber und lauter feine Sachen, natürlich elektrisch, Telefon, Bad, das ganze Zimmer mit Friesteppich ausgelegt, also wie ein Fürst und das ganze auf Rechnung meines Leutnants, als Kutscherlohn für die Reise. Morgen früh geht es nach Dresden weiter und werde dort den Sonntag über bleiben. Vor allem danke ich für das Paket und die »süßen« Wollsachen, die leider schon alle sind.

Nun seid alle vielmals gegrüßt und geküßt von Eurem

Arthur

Königl. Luftkutscher.

Während der Ausbildung, z. T. auch schon vor dem Feinde, fanden folgende Flieger den Tod:

Aus Berlin der Referendar Dr. August Moser (Sohn des Kommerzienrat Moser), der im Besitz des »Eisernen Kreuzes« I. Klasse war, stud. med. Fritz Mecklenburg, Mitglied des akademisch medizinisch-naturwissenschaftlichen Vereins, Bruder des H. Gustav M., Berlin, Friedrichstr. 227. Mecklenburg hatte es als Jude beim Dragoner-Regiment 26 zum Reserveoffizier gebracht. Mecklenburg ist mit mehreren anderen jüdischen Fliegern im Herbst 1917 in Weißensee beigesetzt.

Aus Köln stammte der Leutnant Falk, dessen Vater der Stadtrat und Major Falk ist; Falk stand bei einer bayerischen Fliegertruppe; aus Hannover kam der Unteroffizier Cassel; aus Dresden der Leutnant Fritz Gerstle. Gerstle hat, wie mir seine Mutter die Freundlichkeit hatte mitzuteilen, sich taufen lassen, um anscheinend besser Karriere zu machen, bereute aber diesen Schritt und trat bald wieder aus der christlichen Religionsgemeinschaft aus. Gerstle war, wie so mancher andere jüdische Flieger, vor dem Kriege Student der Medizin gewesen. In seiner Zugehörigkeit zum Judentum nicht sicher gestellt, ist der verunglückte Kriegsfreiwillige Dr. Alexander Lippmann von der Fliegertruppe Dresden-Kaditz, vor dem Krieg Geschäftsführer der Gesellschaft zur Gründung eines Observatoriums in Oberhof.

Tödlich verunglückt ist ferner der Flieger Hemmerdinger, der ursprünglich einem Infanterie-Regiment 28 angehörte, nähere Personalien fehlen über den in den K. C. Blättern von Dr. Mainzer angeführten Perlhöfter. Gestorben ist während der Ausbildung bei der Feldfliegerabteilung Bromberg, der 19jährige Georg Hecht. Seine Familie lebt in Charlottenburg.

Ueber die Tätigkeit einer Reihe anderer Flieger liegt uns keine nähere Mitteilung vor. Wir nennen, soweit sie uns bekannt wurden: Leutnant Kurt Lämmle (in einem bayerischen Fliegerbataillon, Patent vom 1. Mai 1915), Leutnant Aronheim, Leutnant und Flugzeugführer Siegfried Wittkowsky, Sohn des H. Leopold W. aus Ansbach, Leutnant Kurt Königsberger (Sohn des Herrn Karl Königsberger aus Fürth); Leutnant Mayer früher bei dem 1. bayr. Fuß-Artill.-Reg., sodann bei einer bayerischen Fliegerformation, Leutnant Alex Wetzlar (nach Mitteilung des »Jüd. Echo«).