»Laß sie kommen!« rief Witichis, »sie können mir nur die Krone nehmen, nicht mein Weib.«

»Wer die Krone trägt, ist seines Volkes, nicht mehr sein eigen.«

»Hier,« – da ergriff Witichis den Kronhelm und legte ihn auf den Tisch vor Hildebrand, – »noch einmal geb’ ich euch und zum letztenmal die Krone zurück. – Ich habe sie nicht verlangt, weiß Gott. – Sie hat mir nichts gebracht als diese Aschenurne. – Nehmt sie zurück: – laßt König sein wer will und Mataswintha frein.«

Aber Hildebrand schüttelte das Haupt. »Du weißt, das führt zum sichersten Verderben. Schon jetzt sind wir in drei Parteien gespalten. Viele Tausende würden Arahad nie anerkennen. Du bist’s allein, der noch alles zusammenhält. Fällst du weg, so lösen wir uns auf, ein Bündel losgebundener Ruten, die Belisar im Spiele bricht. Willst du das?«

»Frau Rauthgundis, kannst du kein Opfer bringen für dein Volk?« sprach Teja näher tretend.

»Auch du, hochsinniger Teja, gegen mich? ist das deine Freundschaft?« »Rauthgundis,« sprach dieser ruhig, »ich [pg 156]ehre dich vor allen Frauen hoch, und Hohes fordre ich darum von dir.« –

Hildebrand aber begann, »du bist die Königin dieses Volkes. Ich weiß von einer Gotenkönigin aus unsrer Ahnen Heidenzeit. Hunger und Seuchen lasteten auf ihrem Volk. Ihre Schwerter waren sieglos. Die Götter zürnten den Goten. Da fragte Swanhild die Eichen des Waldes und die Wellen des Meeres und sie rauschten zur Antwort:

»Wenn Swanhild stirbt, leben die Goten.

Lebt Swanhild, so stirbt ihr Volk.«

Und Swanhild wandte den Fuß nicht mehr nach Hause. Sie dankte den Göttern und sprang in die Flut. Aber freilich, das war die Heidenzeit.«