Alle mit Macht einstürmend auf dich. Dann wär’ mir das beste,

Daß mich die Erde bedeckt, wenn du stirbst: bleibt doch mir in Zukunft

Nie ein anderer Trost, wenn dich wegraffte das Schicksal:

Nein, nur Trauer: lang ist mein Vater dahin und die Mutter:

Du nur allein bist Vater mir jetzt und Mutter und alles ... –««

Sie las nicht weiter: die großen runden Augen wurden feucht, ihre Stimme versagte; sie neigte das blasse Haupt.

»Valeria,« sprach eine milde Stimme, und Cassiodor beugte sich über ihre Schulter. »Thränen über dem Buch [pg 193]des Trostes? Aber was sehe ich: – die Ilias! Kind! ich gab dir doch die Evangelien.«

»Verzeih mir, Cassiodor. Es hängt mein Herz noch andern Göttern an als deinen. Du glaubst nicht: je gewaltiger von allen Seiten her die Schatten ernster Entsagung auf mich eindringen, seit ich bei dir und in diesen Mauern weile, desto krampfhafter klammert sich die widerstrebende Seele an die letzten Fäden, die mich mit einer andern Welt verbinden. Und zwischen Grau’n und Liebe ratlos schwankt der Sinn.«

»Valeria, du hast keinen Frieden in diesem Haus des Friedens gefunden. Wohlan, so zieh hinaus. Du bist ja frei und Herrin deines Willens. Kehre zurück zu jener bunten Welt, wenn du glaubst, dort dein Glück zu finden.«

Sie aber schüttelte das schöne Haupt. »Es geht nicht mehr. Feindlich ringen in meiner Seele zwei Gewalten. Welche auch siege, – ich verliere immer.«