Da hallten feste Schritte auf dem Marmor des Vestibulums und ein Tribun der Milites ward gemeldet.
Es war ein junger Krieger mit edeln, aber über seine Jahre hinaus ernsten Zügen. In echt römischem Schnitt setzten die Wangenknochen, fast im rechten Winkel, an die gerade strenge Stirn: in dem tief eingelassenen Auge lag römische Kraft und – in dieser Stunde – entschlossener Ernst und rücksichtsloser Wille.
»Siehe da, Severinus, des Boëthius Sohn, willkommen mein junger Held und Philosoph. Viele Monate habe ich dich nicht gesehen – woher kommst du?«
»Vom Grabe meiner Mutter,« sagte Severinus mit festem Blick auf den Frager.
Cethegus sprang auf. »Wie? Rusticiana? meine Jugendfreundin! meines Boëthius Weib!«
»Sie ist tot,« sagte der Sohn kurz. Der Präfekt wollte seine Hand fassen. Severinus entzog sie.
»Mein Sohn, mein armer Severinus! Und starb sie – ohne ein Wort für mich?«
»Ich bringe dir ihr letztes Wort – es galt dir!«
»Wie starb sie? an welchem Leiden?« – »An Schmerz und Reue.« – »Schmerz –« seufzte Cethegus, »das begreif’ ich. Aber was sollte sie bereuen! Und mir galt ihr letztes Wort! – sag’ an, wie lautet es?«
Da trat Severinus hart an den Präfekten, daß er sein Knie berührte und blickte ihm bohrend ins Auge. »Fluch, Fluch über Cethegus, der meine Seele vergiftet und mein Kind.«