»Ich weiß es wohl, die Tage von Salamis sind ferne wie ein Mythos: und ihr eisernen Römer habt uns niemals Kraft zugetraut. Das ist hart – aber doch leichter zu tragen, weil ihr es seid, die unsre Welt, die Kunst und edle Sitte verteidigt gegen die dumpfen Barbaren. Ihr, das heißt Rom und Rom heißt mir Cethegus. So faß ich diesen Kampf und so gefaßt, siehst du, so geht er wohl auch den Hellenen an.«
Erfreut lächelte der Präfekt. »Nun, wenn dir Rom Cethegus ist, so nimmt Rom gern die Hilfe des Hellenen an: du bist fortan Tribun der Milites Romani wie Licinius.«
»In Thaten will ich dir danken! Aber eins noch muß ich dir gestehn – denn ich weiß: du liebst nicht überrascht zu sein. Oft hab’ ich gesehen, wie teuer dir das Grabmal Hadrians und seine Zier von Götterstatuen ist. Neulich hab’ ich diese marmornen Wächter gezählt und zweihundertachtundneunzig gefunden. Da macht’ ich denn das dritte Hundert voll und habe meine beiden Letoiden, die du so [pg 262]hoch gelobt, den Apollon und die Artemis, dort aufgestellt, dir und Rom zu einem Weihgeschenk.«
»Junger lieber Verschwender,« sprach Cethegus, »was hast du da gethan!«
»Das Gute und Schöne,« antwortete Kallistratos einfach.
»Aber bedenke – das Grabmal ist jetzt eine Schanze: –
»Wenn die Goten stürmen –« – »Die Letoiden stehen auf der zweiten, der innern Mauer. Und soll ich fürchten, daß je Barbaren wieder den Lieblingsplatz des Cethegus erreichen? Wo sind die schönen Götter sichrer als in deiner Burg? Deine Schanze ist mir ihr bester, weil ihr sicherster Tempel. Mein Weihgeschenk sei zugleich ein glücklich Omen.«
»Das soll es sein,« rief Cethegus lebhaft, »und ich glaube selber: dein Geschenk ist gut geborgen. Aber gestatte mir dagegen« –
»Du hast mir schon dafür erlaubt, für dich zu kämpfen. Chaire!« lachte der Grieche und war hinaus.
»Der Knabe hat mich sehr lieb,« sagte Cethegus, ihm nachsehend. »Und mir geht’s wie andern Menschenthoren: – mir thut das wohl. Und nicht bloß, weil ich ihn dadurch beherrsche.«