»Ich bin’s!« sagte Mataswintha, »hätt’ ich das nie vergessen.« Und stolz rauschte sie an ihm vorüber.
»Augen haben diese Germanen, Männer und Weiber,« sagte Prokop im Hinausgehen, »wie ich sie nie gesehen.«
Zwanzigstes Kapitel.
Mataswintha war inzwischen ungemeldet bei ihrem Gatten eingetreten.
Witichis hatte alle Gemächer, welche die Amalungen, Theoderich, Athalarich, Amalaswintha bewohnt, (sie lagen im Mittelbau des weitläufigen Palastes) unberührt gelassen und einige auch früher schon von ihm, wenn er die Wache am Hofe hatte, bewohnte Räume im rechten Flügel bezogen. Er hatte die Gold- und Purpurabzeichen der Amaler nie angelegt und aus seinen Zimmern allen königlichen Pomp entfernt. Ein Feldbett auf niedern Eisenfüßen, auf welchem sein Helm, sein Schwert und mehrere Urkunden lagen, ein [pg 332]langer Eichentisch und wenig Holzgerät standen in dem einfachen Gelaß.
Er hatte sich nach des Gesandten Entfernung, erschöpft, mit dem Rücken gegen die Thür in einen Stuhl geworfen und stützte das müde Haupt in beiden Händen auf den Tisch. So hatte er den leicht schwebenden Schritt der Eintretenden nicht bemerkt.
Mataswintha blieb, wie gebannt, an der Schwelle stehen. Sie hatte ihn noch niemals aufgesucht. Ihr Herz pochte mächtig. Sie konnte ihn nicht ansprechen: sie konnte nicht näher treten.
Endlich stand Witichis mit Seufzen auf. Da sah er die regungslose Gestalt an der Thüre stehen. »Du hier Königin?« sprach er staunend und trat ihr einen Schritt entgegen. »Was kann dich zu mir führen?«
»Die Pflicht – das Mitleid« – sagte Mataswintha rasch. »Sonst hätte ich nicht – – ich habe eine Bitte an dich.«