»Es ist die erste,« sagte Witichis. – »Sie betrifft nicht mich« – fiel sie schnell ein – »Ich bitte dich um Brot für Arme, Kranke, welche« –
Da reichte ihr der König schweigend die Rechte hin. –
Es war das erstemal: sie wagte nicht, sie zu fassen: und hätte es doch, o wie gerne, gethan. So faßte er selbst ihre Hand und drückte sie leicht.
»Ich danke dir, Mataswintha, und bitte dir ein Unrecht ab. Du hast dennoch ein Herz für dein Volk und seine Leiden. Ich hätte das nie geglaubt: ich habe hart von dir gedacht.«
»Hättest du von jeher anders von mir gedacht: – es wäre vielleicht manches besser.«
»Schwerlich! Das Unglück heftet sich an meine Fersen. Eben jetzt – du hast ein Recht, es zu wissen – brach [pg 333]meine letzte Hoffnung: Die Franken, auf deren Hilfe ich hoffte, haben uns verraten. Entsatz ist unmöglich: die Übermacht der Feinde durch den Abfall der Italier allzugroß. Es bleibt nur noch ein letztes: ein freier Tod.«
»Laß mich ihn mit dir teilen,« rief Mataswintha, und ihre Augen leuchteten. – »Du? nein; die Tochter Theoderichs wird ehrenvolle Aufnahme finden am Hofe von Byzanz. Man weiß, daß du gegen deinen Willen meine Königin geworden .. – Du kannst dich laut darauf berufen.«
»Nimmermehr!« sprach Mataswintha begeistert.
Witichis fuhr, ohne ihrer zu achten, in seinen Gedanken fort: »Aber die andern! Die Tausende! die Hunderttausende von Weibern, von Kindern! Belisar hält, was er geschworen! Es ist nur Eine Hoffnung noch für sie: – eine einzige! Denn – alle Mächte der Natur verschwören sich gegen mich. Der Padus ist plötzlich so seicht geworden, daß zweihundert Getreideschiffe, die ich erwartete, nicht rasch genug den Fluß herabgebracht werden konnten: die Byzantiner haben sie aufgefangen!
Ich habe nun um Hilfe an den Westgotenkönig geschrieben: er soll seine Flotte senden. Die unsre ist ja in Feindes Hand! Dringt sie in den Hafen, so kann darauf entfliehen, was nicht fechten kann und nicht sterben soll. Auch du kannst dann, wenn du es vorziehst, nach Spanien entfliehen.«