»Ich will mit dir –, mit euch sterben.«

»In wenig Wochen können die westgotischen Segel vor der Stadt erscheinen. Bis dahin reichen meine Speicher – der letzte Trost. Doch, das mahnt mich an deinen Wunsch: – Hier ist der Schlüssel zu dem Hauptthor der Speicher. Ich trag’ ihn Tag und Nacht auf meiner Brust. Bewahre ihn wohl: – er verwahrt meine letzte Hoffnung. [pg 334]Er schließt das Leben von vielen Tausenden ein. Es war meine einzige Mühewaltung, die nicht fruchtlos blieb. Mich wundert,« fügte er schmerzlich hinzu, »daß nicht die Erde sich aufgethan hat oder Feuer vom Himmel gefallen ist, diese meine Bauten zu verschlingen.«

Und er nahm den schweren Schlüssel aus dem Brustlatz seines Wamses. »Hüt’ ihn wohl, es ist mein letzter Schatz, Mataswintha.«

»Ich danke dir, Witichis – König Witichis –« sagte sie, verbessernd, und griff nach dem Schlüssel, aber ihre Hand zitterte. Er fiel.

»Was ist dir,« fragte der König, den Schlüssel ihr in die Rechte drückend, – sie steckte ihn in den Gürtel ihres weißseidnen Unterkleides – »du zitterst? Bist du krank?« setzte er besorgt hinzu.

»Nein – es ist nichts. – Aber sieh mich nicht an so – so wie jetzt und wie heute morgen ... –« »Vergieb mir, Königin,« sagte Witichis, sich abwendend. »Meine Blicke sollten dich nicht kränken. Ich hatte viel, recht viel Gram in diesen Tagen. Und wenn ich nachsann, mit welcher Schuld ich all dies Unglück verdient haben könnte ...« – seine Stimme wurde weich.

»Dann? o rede?« bat Mataswintha hingerissen. Denn sie zweifelte nicht mehr an dem Sinn seines unausgesprochen Gedankens.

»Dann hab’ ich, unter all’ den ringenden Zweifeln, oft auch gedacht, ob es nicht Strafe sei für eine harte, harte That, die ich an einem herrlichen Geschöpf begangen. An einem Weibe, das ich meinem Volk geopfert –« Und unwillkürlich sah er im Eifer seiner Rede auf die Hörerin.

Mataswinthens Wangen erglühten: sie faßte, sich aufrecht zu halten, nach der Lehne des Stuhles neben ihr. [pg 335]»Endlich – endlich erweicht sein Herz und ich – was habe ich ihm gethan!« dachte sie »und Er bereut. –«

»Ein Weib,« fuhr er fort, »das unsäglich um mich gelitten, mehr als Worte sagen können.« – »Halt ein!« flüsterte sie so leise, daß er es nicht vernahm. »Und wenn ich dich in diesen Tagen um mich walten sah, weicher, milder, weiblicher als je zuvor – Dann rührtest du mein Herz mit Macht: und Thränen drangen in meine Augen.« –