»Ich fürchte es nicht, wenn es kommt.«
»Und bete für unsern guten König, der uns Brot giebt alle Tage.« – »Ich bete für ihn.«
Da tönte der waffenklirrende Schritt von zwei gotischen Runden, die sich an der Basilika kreuzten.
»Ei so donnre, bis du springst,« schalt der Führer der einen Schar, »aber brumme mir nicht in meinen Befehl.
Haltet an. Wisand, du bist’s? Wo ist der König? Auch in der Kirche?«
»Nein, Hildebad, auf den Wällen.«
»Recht so, da gehört er hin! Vorwärts, Heil dem König.« Und die Schritte verhallten.
Da kam ein römischer Lehrer mit einigen seiner Schüler vorbei. »Aber, Magister,« mahnte der jüngste, »ich dachte, du wolltest in die Kirche? Warum führst du uns sonst aus dem Hause ins Freie bei diesem Unwetter?«
»Das sagte ich nur, um euch und mich aus dem Hause zu bringen. Was Kirche! Ich sage dir, je weniger ich Dächer und Mauern um mich weiß, desto wohler ist mir. Ich führ’ euch auf die große, freie Wiese in der Vorstadt. Ich wollte, wir hätten Regen. Wäre der Vesuvius nahe genug, wie in meiner Heimat, ich dächte, Ravenna werde heut’ ein zweites Herculaneum. Ich kenne solche Luft, wie sie heute weht – ich traue nicht!« Und sie gingen vorüber.
»Willst du nicht mit mir gehn, Frau?« sprach der Mann in der Sturmhaube zu der Gotin. »Ich muß sehen, Dromon, unsern Gastfreund, jetzt zu treffen: sonst kommen wir diese Nacht wieder nicht unter Obdach. Ich kann dich nicht allein lassen im Dunkeln. Du hast kein Licht bei dir.«