Er gab den Brief zurück und sagte lächelnd: »Welch ein Einfall! Wozu doch die Verzweiflung führt.«
»Der Einfall,« meinte Prokop, »wäre gar so übel nicht, wenn .. –«
»Wenn Belisar nicht Belisar wäre,« lächelte Cethegus.
»Spart euer Lachen,« schalt dieser. »Ich bewundre den Mann. Und es darf mich nicht mehr beleidigen, daß er mich der Empörung fähig hält. Hab’ ich es ihm doch selber vorgelogen.« Und er stampfte mit dem Fuß. »Ratet jetzt und helft! Denn ihr habt mich in diese leidige Wahl geführt. Ja sagen kann ich nicht. Und sag’ ich nein: – darf ich des Kaisers Heer als vernichtet anseh’n. Und muß obenein bekennen, daß ich die Empörung nur erlogen.«
Cethegus sann schweigend nach, das Kinn mit der Linken langsam streichend. Plötzlich durchblitzte ihn ein Gedanke. Ein Strahl der Freude flog verschönend über sein Gesicht: »so kann ich sie beide verderben!« Er war in diesem Augenblick sehr mit sich zufrieden. Aber erst wollte er Belisar ganz sicher machen. »Du kannst vernünftigerweise nur zwei Dinge thun,« sagte er zaudernd.
»Rede: ich sehe weder eins noch das andre.«
»Entweder wirklich annehmen –«
»Präfekt,« rief Belisar grimmig und fuhr ans Schwert. [pg 357]Prokop hemmte erschrocken seinen Arm. – »Keinen solchen Scherz mehr, Cethegus, so lieb dir dein Leben.«
»Oder,« fuhr dieser ruhig fort, »zum Schein annehmen. Ohne Schwertstreich einziehn in Ravenna. Und – – die Gotenkrone samt dem Gotenkönig nach Byzanz schicken.«
»Das ist glänzend!« rief Prokop. »Das ist Verrat!« rief Belisar.