»Es ist beides,« sagte Cethegus ruhig.
»Ich könnte dem Gotenvolk nicht mehr in die Augen sehen.«
»Das ist auch nicht nötig. Du führst den gefangenen König nach Byzanz. Das entwaffnete Volk hört auf, ein Volk zu sein.«
»Nein, nein, das thu’ ich nicht.«
»Gut. So laß dein ganzes Heer Testamente machen. Leb wohl, Belisar. Ich gehe nach Rom. Ich habe durchaus nicht Lust, fünfzigtausend Goten in Verzweiflung kämpfen zu sehen. Und wie wird Kaiser Justinianus den Verderber seines besten Heeres loben!«
»Es ist eine furchtbare Wahl,« zürnte Belisar.
Da trat Cethegus langsam auf den Feldherrn zu. »Belisar,« sprach er mit gemütvoller, tief aus der Brust geschöpfter Stimme: »du hast mich oft für deinen Feind gehalten. Und ich bin zum Teil dein Gegner. Aber wer kann neben Belisar im Feld gestanden sein, ohne den Helden zu bewundern?«
Und seine Weise war so feierlich und salbungsvoll, wie man sie nie an dem sarkastischen Präfekten sah. Belisar war ergriffen und selbst Prokop erstaunte.
»Ich bin dein Freund, wo ich es sein kann. Und will dir diese Freundschaft in diesem Augenblick durch meinen Rat bewähren. Glaubst du mir, Belisarius?« Und er legte die linke Hand auf des Helden Schulter, [pg 358]bot ihm treuherzig die Rechte, und sah ihm tief ins Auge.
»Ja,« sagte Belisar, »wer könnte solchem Blick mißtrauen.«