»Aber Herrin! Ich weiß ja nicht wie.«

Rauthgundis ergriff ein Beil, das an dem Herde lehnte. »Erbrechen wir die Thüren mit Gewalt.« Dromon wollte ihr die Axt entwinden.

»Unmöglich! Dicke Eisenplatten!«

»So rufe den Unhold. Sage, Witichis verlange ihn zu sprechen. Und vor der Gangthür erschlag ich ihn mit diesem Beil.«

»Und dann? Du rasest! Laß mich hinaus. Ich will Wachis abrufen von seiner nutzlosen Wacht.«

»Nein, ich kann’s nicht denken, daß es heut’ nicht werden soll. Vielleicht kömmt dieser Teufel von selbst wieder. Vielleicht« – sprach sie nachsinnend. »Ah,« schrie sie plötzlich, »gewiß, das ist’s. Er will ihn ermorden! Er will sich allein zu dem Wehrlosen schleichen. Aber weh’ ihm, wenn er kommt! Die Schwelle jener Gangthür will ich hüten wie ein Heiligtum, besser als meines Kindes Leben. Und weh ihm, wenn er sie beschreitet.« Und sie drückte sich hart an die Halbthür des Gemaches Dromons und wog das schwere Beil.

Aber Rauthgundis irrte.

Nicht um seinen Gefangenen zu töten, hatte der Präfekt die Schlüssel an sich genommen. Er war mit denselben in den linken, den Südbau des Palastes geschritten. Spät am Nachmittag trat Cethegus – er kam aus dem Kerker des Königs – in das Gemach Mataswinthens. Die Ruhe des Todes und die Erregung des Fiebers wechselten in der seelisch Tieferkrankten so oft, so rasch, daß Aspa nur mit Thränen-erfüllten Augen noch auf ihre Herrin sah.

»Zerstreue,« sprach Cethegus, »schönste Tochter der Germanen, die Wolken, die auf deiner weißen Stirn lagern und höre mich ruhig an.«

»Wie steht es mit dem König? Du lassest mich ohne Nachricht. Du versprachst, ihn frei zu geben nach der Entscheidung. Ihn über die Alpen führen zu lassen. Du hältst dein Wort nicht.«