»Witichis – König Witichis« – stammelte endlich Mataswintha – »ich bin’s. Hörst du mich?«

Aber der Gefragte rührte sich nicht.

»Ich komme, dich zu retten – fliehe! Freiheit!«

Aber der Gefangene senkte wieder das Haupt.

»Oh sprich! – oh sieh nur auf mich!« – Und sie trat ein. Gern hätte sie seinen Arm berührt, seine Hand gefaßt. Sie wagte es noch nicht. »Er will dich töten – quälen. Er wird es thun, – wenn du nicht fliehst.«

Und nun gab ihr Verzweiflung den Mut, näher zu treten. »Du sollst aber fliehn! Du sollst nicht sterben! Du sollst gerettet sein – durch mich! Ich flehe dich an – fliehe! Du hörst mich nicht! Die Zeit drängt! Einst sollst du alles wissen! Nur jetzt flieh in Freiheit und [pg 402]Leben. Ich habe die Schlüssel der Kerkerpforte und der Gangthür! flieh!« Und nun faßte sie seinen Arm, wollte ihn emporreißen.

Da klirrten seine Ketten an den Armen, an den Füßen. – Er war an den Steinblock festgeschlossen.

»O, was ist das?« rief sie und fiel in die Kniee.

»Stein und Eisen,« sagte er tonlos. »Laß mich. Ich gehöre dem Tode. Und hielten mich auch diese Bande nicht – ich folgte dir doch nicht! Zurück in die Welt? Die Welt ist eine große Lüge. Alles ist Lüge.«

»Du hast Recht! sterben ist besser. Laß mich sterben mit dir. Und verzeih mir. Denn auch ich habe dir gelogen.«