»Es mag wohl sein. Es wundert mich nicht.«
»Aber du mußt mir noch vergeben, ehe wir sterben.
Ich habe dich gehaßt – ich habe gejubelt über deinen Niedergang – ich habe – o, es ist so schwer zu sagen! Ich habe die Kraft nicht, es zu gestehn. Und doch muß ich deine Verzeihung haben – und müßt’ ich sie mir erstehlen. Vergieb mir – reiche mir die Hand zum Zeichen, daß du mir verzeihst.«
Aber Witichis war in sein Brüten zurückgesunken. »O, ich flehe dich an – verzeihe mir, was immer ich dir mag gethan haben.«
»Geh – warum soll ich dir nicht verzeihn? Du bist wie alle! nicht besser, nicht schlimmer!«
»Nein, ich bin böser als alle. Und doch besser. Wenigstens elender. Wisse denn: ich habe dich gehaßt, ja, aber nur, weil du mich von dir gestoßen! Du ließest mich nicht dein Leben teilen, – verzeihe mir. – Gott, ich will ja nur mit dir sterben dürfen. Reich mir einmal noch die Hand, zum Zeichen, daß du mir verzeihst.« Und sie streckte kniend, flehend, beide Hände zu ihm empor.
Der König erhob das Haupt. Der Grundzug seines Wesens, die tiefe Herzensgüte, regte sich in ihm und übertönte den eignen dumpfen Schmerz. »Mataswintha,« sagte er, und erhob die kettenklirrende Hand, »geh’, es erbarmt mich dein. Laß mich allein sterben. Was immer du an mir gethan – geh hin: – ich habe dir verziehn.«
»O Witichis!« hauchte Mataswintha und wollte seine Hand ergreifen.