»Da habt ihr recht, Herr, wenn ihr je recht gehabt,« sprach Wachis mit erstickter Stimme. »Die arme, arme Frau und ach, der arme Vater. Aber laßt mich hinein. Frau Rauthgund folgt mir auf dem Fuß. Ich muß ihn vorbereiten.«
Teja, ohne weiter zu fragen, schob den Knecht in das Zelt, und folgte ihm mit Hildebad.
Sie trafen den alten Hildebrand ruhig, wie die Notwendigkeit, auf dem Lager des Königs sitzen, das Kinn mit dem mächtigen Bart in die Hand und diese auf das Steinbeil gestützt. So saß er unbeweglich und richtete fest die Augen auf den König, der, in höchster Aufregung, mit hastigen Schritten, auf und nieder ging und im Sturm [pg 137]seiner Gefühle die Eintretenden gar nicht bemerkte: »Nein! nein! niemals!« rief er, »das ist grausam! frevelhaft! unmöglich!«
»Es muß sein,« sagte Hildebrand, ohne sich zu rühren.
»Nein, sag’ ich,« rief der König und wandte sich.
Da stand Wachis dicht vor ihm. Er starrte ihn wirr an: da warf sich der Knecht laut weinend vor ihm nieder.
»Wachis,« rief erschreckend der König, »was bringst du? Du kömmst von ihr! Steh’ auf – was ist geschehen?«
»Ach Herr,« jammerte dieser immer noch knieend, »euch sehen, zerreißt mein Herz! Ich kann nichts dafür! Ich hab’s vergolten und gerächt nach Kräften.«
Da riß ihn Witichis bei den Schultern auf: »Rede, Mensch, was ist zu rächen? Mein Weib –?«
»Sie lebt, sie kommt hierher, aber euer Kind ...« –