Da stand, unter dem Zeltvorhang, in grauem Gewand und schwarzem Schleier Rauthgundis sein Weib, eine kleine schwarze Marmorurne an die Brust drückend.

Ein Ruf liebereichen Schmerzes und schmerzreicher Liebe: – – und die Gatten hielten sich umfangen.

Schweigend verließen die Männer das Zelt.

[pg 143]

Sechzehntes Kapitel.

Draußen hielt Teja den Alten leise am Mantel zurück: »Du quälst den König umsonst,« sagte er. »Er wird nie darein willigen. Er kann’s auch nicht. Jetzt am wenigsten.«

»Woher weißt du ...? –« unterbrach der Greis. – »Still: ich ahn’ es: wie ich alles Unglück ahne.« – »Dann wirst du auch einsehen, daß er muß.« – »Er, – er wird’s nie thun.« – »Aber – du meinst sie selbst?« – »Vielleicht!« – »Sie wird,« sagte Hildebrand.

»Ja, sie ist ein Wunder von einem Weib,« schloß Teja.

Während in den nächsten Tagen das jetzt kinderlose Paar seinem stillen Schmerze lebte und Witichis kaum sein Zelt verließ, geschah es, daß die Vorposten der königlichen Belagerer und die Außenwachen der gotischen Besatzung von Ravenna, den eingetreten thatsächlichen Waffenstillstand benutzend, in mannigfachen Verkehr traten.

Sie warfen sich, scheltend und zankend, gegenseitig die Schuld an diesem Bürgerkriege vor.