»Mach’s kurz,« sagte Teja. – »Er verlor wieder die Sinne. Ich trug ihn auf meinen Armen nach Hause zur Mutter. Noch einmal schlug er die Augen auf, in ihrem Schos. Ein Gruß an dich war sein letzter Hauch.«

»Und mein Weib – ist sie nicht verzweifelt?«

»Nein, Herr, das ist sie nicht: die ist von Gold, aber auch von Stahl. Wie der Knabe die Augen geschlossen, zeigte sie schweigend zum Fenster hinaus, nach rechts.

Ich verstand sie: dort stand des Mörders Haus.

Und ich waffnete alle deine Knechte und führte sie hinüber zur Rache: und wir legten den ermordeten Knaben auf deinen Schild, und trugen ihn in unsrer Mitte zur Mordklage. Und Rauthgundis ging mit, ein Schwert in der Hand, hinter der Leiche. Vor dem Thor der Villa legten wir den Knaben nieder.

Calpurnius selbst war entflohn auf dem schnellsten Roß zu Belisar. Aber sein Bruder und sein Sohn und zwanzig Sklaven standen im Hof: sie wollten eben zu Pferd steigen und ihm folgen. Wir erhoben dreimal den Mordruf. Dann brachen wir ein.

Wir haben sie alle erschlagen, alle: und das Haus niedergebrannt über den Bewohnern. Frau Rauthgundis [pg 142]aber sah dem allen zu, an der Leiche Wacht haltend, auf ihr Schwert gestützt, und sprach kein Wort. Und mich schickte sie Tags darauf voraus, nach dir zu suchen. Sie folgte mir bald darauf, sowie sie die kleine Leiche verbrannt. Und da ich einen Tag verloren, durch die Empörer vom nächsten Wege abgesperrt, so kann sie stündlich da sein.«

»Mein Kind, mein Kind, mein armes Weib! Das ist der erste Ertrag, den mir diese Krone bringt. Und nun,« rief er mit aller Heftigkeit des Schmerzes den Alten an, »willst du noch das Grausame fordern, das Untragbare?«

Hildebrand stand langsam auf: »Nichts ist untragbar, was notwendig ist. Auch der Winter ist tragbar. Und das Alter. Und der Tod. Sie kommen ohne zu fragen, wollt ihr’s tragen? Sie kommen. Und wir tragen’s. Weil wir müssen. Aber ich höre Frauenstimmen und rauschende Gewande. Gehen wir.«

Witichis wandte sich von ihm zur Thür.