Was von einer erlesenen Reiterschar gegen einen wenn auch viel zahlreicheren Haufen schlecht gerüsteter Bauern, die nur zu Fuß fochten, zu wagen gewesen wäre, das erwies sich als undurchführbar gegen diese trefflich und mannigfaltig bewaffneten, zum Teil gut berittenen Soldknechte, die unter ihrem mit wilder Begeisterung verehrten Häuptling seit einem Jahrzehnt im Dienste gar vieler Fürsten auf wendischer, deutscher, welscher, byzantinischer Erde gefochten und gar oft gesiegt hatten.
»Der Wende,« rief Fulko »– Gott verdamm ihn! – versteht den Krieg. Schau, Hellmuth, wie klug benützt er seine große Übermacht! – Auf wieviele schätzest du sie?« Hellmuth hob sich hoch in den Bügeln, bog das behelmte Haupt vor und spähte nach allen Richtungen: »Die links von uns in den Weinbergen und im Gehölz kann ich nicht schätzen. Aber da auf der Straße vor uns und rechts in den Wiesen– das sind eher vier- als dreihundert.«
»Schau – man sieht es deutlich im Mondlicht! – hier auf der breiten Straße schart er seine Reiter zusammen, viele Glieder tief, unsern Anprall abzuwehren.« – »Aber auch das Umgehen hat er gelernt! Sieh, westlich von der Straße – über die Wiesen hin – läßt er andere Reiter vortraben, uns in der Flanke zu fassen.« – »Und wo bleiben unsere Bürger? Noch gar wenige sammeln sich auf der Wiese.« – »Und seine Fußknechte,« ergänzte der Bischof, »und Pfeilschützen schickt er östlich von der Straße in die Weingärten und in den Buschwald der Höhen, uns von links zu packen. Ja, von dort könnten sie sich zwischen uns und die Stadt werfen und uns auch vom Rücken fassen.« Er gebot den Junkern, hier zu halten, und ritt langsam voraus, seine vordersten Reiter zu ordnen. »Nun, die links werden aber nicht viel ausrichten,« meinte Hellmuth, »bergan, auf den Schmalpfaden zwischen den Weinbergen. Ein Häuflein entschlossener Männer genügt …«
»Sind aber immer noch nicht da, auch zur Linken nicht, die lieben Bürger von Würzburg!« – »Oder doch nicht genug. Jetzt hab' acht, Herr Heinrich winkt mit dem Schwerte!«
VII.
Der Bischof hatte, jener Dreiteilung der Feinde zu begegnen, auch von seiner ohnehin so schwachen Schar einen rechten und einen linken Flügel abzweigen müssen.
Er sandte Boten über Boten in der Richtung gegen die Stadt zurück, die Bürger zur Eile zu mahnen und sie, wie sie einzeln oder in kleinen Häuflein herankamen, jenen beiden Flanken zuzuteilen. Er gedachte, durch das beste, alterprobte Mittel deutscher Kriegskunst – seit nämlich die schwer gepanzerte Reiterei (zuerst in den Ungarnkriegen) wichtiger geworden war als das alte nur zu Fuß kämpfende Aufgebot des Heerbanns – gegen alle Feinde: durch das Ansprengen seiner eng aneinander geschlossenen schwergerüsteten Ritter und berittenen Heerknappen auf den mächtigen Streithengsten die Wenden auf der Heerstraße über den Haufen zu rennen, so durch einen gewaltigen Stoß ihre Mitte zu durchbrechen und die Schlacht zu entscheiden. Mit dem alten Feldruf der Deutschen: »Christus! Kyrie eleuson!« sprengte er, hoch das Schwert schwingend, auf seinem leuchtend weißen Dänenhengst an der Spitze seiner Panzerreiter auf die Wenden an und ein.
Es erging – anfangs – wie er gehofft: die schwächeren Gäule der Slaven und die geringere Körperkraft ihrer Reiter hielten den deutschen Ansturm nicht aus: das erste Glied war sofort überritten, das zweite – in der Mitte wenigstens – durchbrochen: aber in der dritten Reihe kam der Anprall zum Stehen.
Jetzt kreuzten sich deutsches Ritterschwert und slavischer Streitkolben: das Gefecht stand.