Und das war sehr schlimm für die kleine Reiterschar, deren einzige Siegeshoffnung in raschem Niederreiten der Übermacht bestanden hatte.

Da ersah Herr Heinrich im roten Licht einer Pechfackel einen feindlichen Führer in reicher Rüstung mit geschlossenem Helm, der sich soeben von seinem gestürzten Gaul – Hellmuth hatte ihn überrannt – los machte und behend auf ein anderes Pferd schwang, das ihm ein Wende zuführte. »Vorwärts!« scholl es aus dem Mundloche des Visiers hervor. »Nieder mit den Deutschen.« Und die Wurflanze in der Hand wirbelnd ritt er wieder in die vorderste Reihe.

»Die Stimme kenne ich!« rief Herr Heinrich, spornte das Roß gegen den Feind, schwang grimmig das Schwert und schmetterte einen solchen Streich auf den reich vergoldeten Helm, daß dieser klirrend in zwei Stücke auseinander sprang. »Berengar!« schrie der Bischof. »Wie konntest du es wagen? Gegen meinen Befehl …?« – »Befiehl du deinen deutschen Knechten, nicht mir!« gab er zurück und hob scharf zielend den Speer zum Wurf.

Allein da wurden sie getrennt, auseinander gerissen durch den Stoß einer frischen Rotte Fußvolks, die, auf den Befehlsruf eines nicht sichtbaren Führers, aus der vierten Reihe der Slaven mitten auf der Heerstraße mit gefällten Lanzen vorbrach und die deutschen Reiter sofort schwer bedrängte. Diese konnten auf der von gefallenen Pferden und liegenden wie kämpfenden Menschen vollgestopften Straße nicht mehr vorsprengen, also ihr wirksamstes Kampfmittel nicht mehr gebrauchen. Und ein Roß der Bischöflichen nach dem andern brach zusammen: denn die wendischen Lanzenknechte stießen nicht auf die gepanzerten Reiter, sondern auf die Pferde. Nur mit äußerster Anstrengung gelang es Fulko, der sich stets ein wenig vor Herrn Heinrichs Schimmel hielt, die zahlreichen Speerschäfte niederzuschlagen, welche dies weithin sichtbare Ziel vor andern bedrohten.

Da sprengte Hellmuth, welchen der Bischof entsendet hatte, Nachricht von seiner rechten Flanke einzuholen, wo die Wenden auf den Wiesen, nach dem Vordringen ihrer Hornrufe zu urteilen, erheblich Raum gewonnen, auf die Straße zurück und meldete: »Nun geht's wieder da drüben! Es stand schlimm. Aber ein Häuflein Bürger, das eben eintraf und das ich und Gericho den wendischen Reitern entgegenwarfen, hat das Gefecht dort gestellt. Jung Gericho macht seine Sache gut. Allein Übles vernahm ich von unserm linken Flügel her. Dort scheinen …«

Er konnte nicht vollenden.

Denn von eben dort, von Osten her, sprengte Blandinus, der zu gleichem Zweck entsendet worden war, auf die linke Seite der Straße: den Helm hatte er verloren, sein Gesicht war von Blut aus einer klaffenden Wangenwunde überströmt. »Herr Bischof, wir sind umgangen. Die feindlichen Pfeilschützen und Fußknechte haben die wenigen Bürger in den Weinbergen überwältigt. Baumeister Hesso, der starke, treue Mann, der sie befehligte, ist gefallen: ich führte die Weichenden zu einem letzten Stoße vor – umsonst – – mich traf …« Er wankte: Fulko hielt ihn aufrecht im Sattel.

Herr Heinrich drückte in bitterem Schmerze die Augen zusammen: »Zurück? In die Stadt? Nein! Weichen wir einen Fuß breit, – sind wir verloren und der Feind dringt mit uns ein. Das soll nicht sein.« – »Nein!« rief Hellmuth. »Um keinen Preis! Seht, dort hinten schart sich ein frischer, ein noch stärkerer Haufe Fußvolks zum Stoße gegen uns. Kommt zuvor! Laßt uns noch einmal einsprengen, so gut es eben geht, und dabei fallen, das Gesicht nach vorn!« »Jawohl,« rief Fulko. »Es muß doch endlich einmal gleich Mitternacht sein. Dann holen die Englein unsere Seelen hier und die Heiden holt, wie billig, der Teufel. Drauf und drein, Herr Heinrich! Auf Wiedersehen im Himmel, Minnegard.«

Und schon wollte der Bischof, zum Tode bereit, den Befehl geben zum letzten hoffnungslosen Ansprengen wider den entgegenstarrenden Lanzenrechen, als plötzlich, wie durch ein Wunder, das Gefecht völlig umschlug.