Unter ihren Schwestern, – den anderen Sonnen am Firmamente, – nimmt die unsrige eine Ausnahmestellung ein. Man hat gefunden, daß die meisten Sonnen Doppelsterne sind, d. h., daß immer zwei Sonnen umeinander kreisen, daß also, wenn sich um diese zwei Sonnen noch Planeten drehen, letztere ihr Licht von zwei Sonnen empfangen. –
In unserer engeren Weltheimat aber herrscht nur eine Sonne, – die unsrige. Unser Sonnenreich wird also, irdisch gesprochen, monarchisch verwaltet!
Die moderne Sonnenforschung nimmt an, daß das Tagesgestirn einen festen Kern besitze, um den sich feurigflüssige und gasige Hüllen legen. Wir können deren äußerste Teile sehen.
Dieser Sonnenkern wird allerdings nicht aus festen Gesteins- und metallischen Massen gebildet, sondern aus Gasmassen. Diese nehmen unter dem ungeheueren Drucke, der auf ihnen ruht, die Starre des Glaserkittes an.
Die moderne Astrophysik (das ist der Zweig der Astronomie, der sich mit der Physik der Gestirne beschäftigt) weiß aus dem Leben unserer Sonne sehr viel; aber noch mehr ist unserer Erkenntnis verborgen und einer späteren Zeit vorbehalten.
In der Gegenwart spielt auf dem Gebiete der Sonnenforschung die Photographie eine große Rolle.
Der lichtempfindlichen Platte verdanken wir ungeheuer viel, wie auf allen übrigen Gebieten der Himmelsforschung. Sie sieht mehr als unser Auge und ermüdet nicht so leicht, als dieses, – im Gegenteil, je länger wir die Kamera auf einen Gegenstand am Himmel richten, umso mehr Einzelheiten verrät sie uns.
Der Astronom photographiert Gestirne in der Weise, daß er an sein Fernrohr, und zwar an die Stelle, an die er sonst sein Auge hält, – man nennt dieses Fernrohrende das Okular, – die Kasette mit der lichtempfindlichen Platte bringt. Diese wird an das Okularende angeschraubt. Der Astronom richtet nun das so ausgerüstete Fernrohr auf die Sonne. Weil diese aber ungeheuer viel Licht aussendet, viel mehr als zu einem guten Bilde von ihr nötig ist, so muß man noch eine Vorrichtung am Teleskope anbringen, damit die Platte nicht verdorben wird.
Der Astronom setzt deshalb vor die lichtempfindliche Platte eine zweite, die dunkel ist und feine geradlinige Einschnitte enthält. Man nennt diese Platte einen Schlitzverschluß! Während der photographierende Astronom die Kasette mit der photographischen Platte öffnet, bringt er den Schlitzverschluß in eine sehr rasche Drehung. Dadurch wird es ermöglicht, daß nur so viel Sonnenlicht auf die lichtempfindliche Platte durch die Einschnitte im »Schlitzverschlusse« gelangt, als zur Erzeugung eines guten Sonnenbildes erforderlich ist.
Um die Sonne herum liegt auch noch ein Ring von feinen Stäubchen, aus Weltenstoff. Das vom Tagesgestirne ausgehende Licht bestrahlt diesen Staubring. Er erscheint uns deshalb am Firmamente, und zwar als ein pyramidenförmiger Lichtkegel. Wir nennen diesen Schein Tierkreis- oder Zodiakallicht, weil er sich durch die Sternbilder des Tierkreises oder des Zodiakus erstreckt. –