In früheren Zeiten der Erdgeschichte waren die Tage kürzer. Sie dauerten einmal vier, dann acht, dann zwölf und endlich zwanzig Stunden. Daß sie immer länger wurden, hat vielleicht seine Ursache in unserem Monde. Vermöge seiner Anziehungskraft hebt er das Wasser der Ozeane empor. Er erzeugt dadurch zwei große Wellen, die sich stets nach Westen hin bewegen. Nun dreht sich aber unsere Erde in der Richtung von Westen nach Osten um ihre Achse. Die beiden Wellen sind also dieser Achsendrehung gerade entgegengesetzt.

Sie üben somit eine hemmende Wirkung auf diese Achsendrehung aus, – d. h. mit anderen Worten ausgedrückt, sie bewirken, daß Tag und Nacht auf Erden immer länger werden. Es wird einmal die Zeit kommen, wo die Erde sich in zwei, zehn, zwanzig, hundert und endlich in 365 Tagen einmal um ihre Achse drehen wird. Ist der letztgenannte Zeitpunkt eingetreten, dann wird die Erde der Sonne immer nur die eine Hälfte ihrer Kugel zukehren. Die hemmende Kraft, welche der Mond auf die Achsendrehung unseres Planeten ausübt, nennen wir die »Gezeiten«! Die Bahn, welche der Erdball um unsere Sonne herum beschreibt, ist nicht ganz kreis- sondern eiförmig. Wir sagen, die Erdbahn ist eine Ellipse! Den Punkt der Bahn, auf welchem die Erde unserer Sonne am nächsten steht, nennen wir das Perihel. Der Punkt aber, in welchem sie auf ihrer Wanderung um die Sonne von dieser am weitesten entfernt ist, heißt das Aphel! –

Verbinden wir die beiden Pole der Erde durch eine gedachte Linie miteinander, dann erhalten wir die Achse der Erde. Sie zeigt auf einen Stern in der Schwanzspitze des »kleinen Bären« hin. Die Alten nannten diesen Stern »Kynosura«, d. h. »Hundsstern«. Wir nennen ihn den Polarstern; aber er hat diese Stellung als »Stern am Pole« nicht immer bekleidet. Vor vielen tausend Jahren war ein Stern im Bilde des »Drachen« unser Polarstern. Aus jener Zeit rührt noch das Drachenwappen der Chinesen her, und in etwa 14 000 Jahren wird der hellste Stern im Bilde der »Leier«, den wir die Wega nennen, unser »Stern am Pole« sein.

Als unsere Erde aus dem glühendflüssigen Zustande in den der Erstarrung überging, bildeten sich die Gebirge auf ihr. Diese sind nichts anderes, als große Falten in der alten Haut unseres Planeten. In moderner Zeit hat man wiederholt die Frage aufgeworfen, ob unsere Erde in ihrem Innern gasförmig oder fest sei! Ein Teil der Forscher nimmt das letztere an! Die übrigen aber behaupten, daß unter einer sehr dünnen Kruste, die unsere Kugel nach außenhin abschließt, feurigflüssige Massen lagern und der Erdkern gasförmig sei.

Dieser gasige Kern der Erde indes zeigt eine Starre, wie der Gaskern der Sonne, und zwar aus dem Grunde, weil die über ihm lagernden Schichten ungeheuer auf ihn drücken.

Unsere Erde besitzt einen Luftgürtel, – eine Atmosphäre!

Die wirkliche Höhe dieser vermögen wir nicht genau zu bestimmen. Man hat ihre Höhe auf 350 Kilometer geschätzt; aber dieses Resultat ist ungenau. Der Luftgürtel unseres Planeten, der aus einem Gemenge von Sauerstoff, Stickstoff und Kohlensäure besteht, ist für das Leben der Pflanzen, Tiere und Menschen unbedingt erforderlich. Ohne ihn könnten die Lebewesen auf Erden nicht existieren.

Unter den vielen Rätseln, welche unsere Erde der Forschung ausgibt, seien noch zwei besonders erwähnt, – der Erdmagnetismus und die Polarlichter!

Alle Körper, die wir im Weltall kennen, sind mit jener wichtigen Kraft ausgestattet, die wir die Anziehungskraft (Schwerkraft oder Gravitation) genannt haben. Unsere Erde wirkt aber auch wie ein großer Magnet. Dieser hat zwei Pole, nämlich einen Nordpol und einen Südpol. Der magnetische Südpol unseres Planeten liegt indes neben seinem geographischen Nordpole, und der magnetische Nordpol der Erde neben dem geographischen Südpole derselben. Den magnetischen Südpol konnten wir in Nordamerika, und zwar auf der Halbinsel Boothia-Felix entdecken.

Die Polarlichter sind elektromagnetische Erscheinungen. Sie beruhen also auf starken, elektrischen Entladungen und stehen mit dem Erdmagnetismus in einem bestimmten Zusammenhange, der indes noch nicht genügend erklärt ist.