In der Nähe des Mondsüdpoles sehen wir einen sehr schönen Krater. Er hat den Namen Tycho erhalten. Von ihm aus gehen zahlreiche Streifen nach allen Richtungen der Mondkugel hin. Wir erkennen sie sehr gut dann, wenn die Scheibe des Mondes voll beleuchtet ist. Sie geben ihm an dieser Stelle das Aussehen einer abgehäuteten Apfelsine, und sie leuchten im Strahle der Sonne hell auf. Solche lichte Streifen finden wir auch noch bei einigen anderen Kratern, so bei Kopernikus und Kepler.

Diese Lichtstreifen sind dadurch entstanden, daß der Mond einmal an der Stelle platzte. In seinem noch flüssigen Innern befanden sich Gase. Diese wollten sich entladen und, da ihnen die Kruste der Mondkugel einen Widerstand entgegensetzte, so sprengten sie diese. In die Sprünge drang dann vom Mondinnern her Lava ein und füllte die Risse bis oben hin an. Ja, – es floß sogar Lava über, erhärtete und bildete so eine Art Glasfluß, den wir bei den Ringgebirgen Tycho, Kopernikus und Kepler deutlich erkennen können, wenn diese zur Vollmondszeit im Strahle der Sonne grell aufleuchten.

Auch an anderen Stellen der Mondkugel zeigen sich solche Sprünge, – so in der Nähe der Ringgebirge Sabine, Arago, Ritter und Triesnecker. Diese Risse sind indes nicht mit Lava angefüllt worden, sondern in ihrem ursprünglichen Zustande verblieben. Wir nennen diese Sprünge, die oft durch Berg und Tal hindurchgehen, Rillen!

Man hat den Wallebenen, Ringgebirgen und Kratern auf dem Monde Namen gegeben, meist die berühmter Astronomen und Naturforscher. Einer von diesen Kratern hat eine ganz eigenartige Form. Er sieht aus wie ein großer, flacher Käse. Seine seltsame Gestalt rührt davon her, daß die ganze, vom Kraterrande umsäumte Ebene mit Lava bis oben hin vom Mondinnern her angefüllt wurde.

An anderen Kratern hat man im Laufe der Jahre Veränderungen wahrnehmen können, die auf eine noch nicht ganz erloschene, vulkanische Tätigkeit auf jener Kugel hindeuten.

Wieder andere Krater sehen aus, als hätten sich zwei von ihnen ineinander geschoben, als hätte man zwei Ringe ineinander gesteckt. Man nennt solche Gebilde »Zwillingskrater«. Diese eigenartigen Formationen der Krater gehören zu dem Schönsten, das wir auf dem Monde kennen. Wenn der Begleiter der Erde sich uns als schmale Sichel zeigt, sehen wir im Fernrohre einen Teil von diesen kreisförmigen Gruben an der Lichtgrenze entlang liegen. Die eine Hälfte von ihnen ist dann stets noch in tiefe Finsternis gehüllt; die andere aber wird bereits grell vom Strahle der Sonne beleuchtet, oder der ganze Krater ist voller Licht, und die eine Seite seiner Umrandung wirft einen langen Schatten in die Kraterebene hinein, so daß diese fast ganz mit Schatten ausgefüllt wird.

Aus der Länge dieser Schatten vermag der Astronom die Höhe des Kraterrandes zu bestimmen und in gleicher Weise auch die der übrigen Gebirge auf jener Welt, denn sie werfen, – von den Strahlen der Sonne getroffen, – lange Schatten!

Da wir eine Anzahl von Meeren und Gebirgen auf dem Monde kennen gelernt haben, so vermögen wir nun das schelmisch lächelnde Antlitz des Mondes aus ihnen zusammenzusetzen.

Die Nase dieses »Mondgesichtes« wird gebildet von dem Mond-Apennin, die Nasenspitze von dem schon mehrfach genannten Krater Kopernikus und das rechte Auge vom mare imbrium (dem Regenmeere).

Das linke Auge stellt ein anderes Meer dar, dem wir den Namen mare serenitatis (Meer der Heiterkeit) gegeben haben.