Von dieser aus genießt man einen prachtvollen Fernblick auf die südwestlichen Berge des Ländchens.
Sinnend bleibe ich lange stehen und blicke hinüber zu ihnen, denn am Fuße jener Berge liegt die Stätte meiner Geburt, ruhen all' die Träume einer seligen Kinderzeit.
Habe ich mich satt genug gesehen am Blau meiner heimatlichen Berge, habe ich lange genug geträumt vom Glücke und vom inneren Frieden längst verklungener Tage und Jahre, dann trete ich in den großen Garten ein, der die Anhöhe ziert.
Mit zahllosen Hügeln ist er übersät, von denen viele kahl sind, viele aber das Grün des Waldes und die sommerliche Blütenpracht der Flur tragen! Diese Hügel, die sich hier eng aneinanderreihen, sind – die Bergspitzen einer anderen Welt!
Nur zwei von ihnen gilt mein Aufenthalt an dieser Stätte, nur zwei von ihnen habe ich in mein fühlendes Herz geschlossen! –
Unter dem einen Hügel schläft mein toter Vater den ewigen Schlaf, und wenn ich an diesem Hügel stehe, dann zieht eine unsichtbare Hand leise den Schleier fort, der die Tage der Kindheit, die Träume der Jugend verhüllt. Ihm, der unter dem grünen Rasen ruht, danke ich es, daß er die Begeisterung für die Schönheiten in der Natur in mir, dem Kinde, zu fördern und zu immer größerer Glut zu entfachen verstand. Nicht vieles, sondern viel ließ er mich, – den regen Geist, – darüber lesen, und er zeigte mir manches, was ich in kindlichem Unverstande draußen in der Welt nicht zu begreifen vermochte.
Meine Gedanken eilen zu ihm hinüber ins Jenseits, das uns Lebende von den Toten trennt, und meine Seele flüstert ihm zu, daß seine Mühe und seine Lehren nicht vergeblich waren.
Und nun trete ich zu dem anderen, mit Blumen und sattem Grün geschmückten Hügel. Auch er deckt einen mir lieben Toten, – meinen alten naturwissenschaftlichen Lehrer auf dem Gymnasium zu Glatz.
Er war es, der zu uns Schülern einmal sagte, daß jene geheimnisvolle Macht, die in das Getriebe der Welt und auch in das Räderwerk unseres Daseins weisheitsvoll hineingreift und die wir »göttliche Vorsehung« nennen, jeden im Leben an den rechten Platz stellt, – ob früh oder spät. Er war es, der durch die Art seines Lehrvortrages und durch das »Wie er uns in die Geheimnisse der Natur« einführte, jene unbegrenzte Liebe zu ihr auch in mir entfachte, die mich bis zur Stunde nicht verlassen hat und mich auch bis an mein Lebensende niemals verlassen wird.