Einmal sieht es bläulich, einmal grünlich und dann wieder rötlich aus.
Diese verschiedene Färbung sagt uns, daß das »sekundäre Mondlicht« nichts anderes ist, als das Licht, das unsere Erde nach dem Monde hinstrahlt und das zum Teil von diesem wieder auf die Erde zurückgeworfen wird.
Stehen dem Monde die Festlande auf Erden gegenüber, dann ist das »sekundäre Licht« rötlich gefärbt, sind ihm die Ozeane der Erde zugekehrt, dann zeigt es einen bläulichen Schimmer, und wendet unser Planet die Urwälder Afrikas und Amerikas seinem Begleiter zu, dann zeigt das »sekundäre Licht« eine grüne Farbe.
Wie interessant ist es doch, daß wir das Bild unserer Erde von unserer Nachbarwelt, – dem Monde, – ablesen können, wie das Bild unseres Antlitzes von einem Spiegel!
Da unser Mond der Erde nur die eine Seite zuwendet, so empfängt diese vierzehn Tage lang das Licht der Sonne; die andere Hälfte aber umgibt während dieser Zeit eine eisige Kälte, nämlich die des Weltenraumes (-273 Grad Celsius).
Auf dem Monde dauert also ein Tag vierzehn irdische Tage und eine Nacht währt dort die gleiche Zeit.
Könnten wir uns im Geiste auf unsere Nachbarwelt versetzen, dann würden wir uns wie verzaubert vorkommen.
Über der wildzerklüfteten Landschaft, die uns auf jenem Gestirne aufnimmt, wölbt sich ein rabenschwarzer Himmel, denn der Mond hat fast keine Luft und auch kein Wasser mehr, die bewirken, daß sich über unserem Haupte auf Erden ein oft tiefblaues Firmament ausspannt. Das Fehlen der Luft würde ferner schuld sein, daß wir auf dem Monde nicht einen Laut zu hören bekämen. Am schwarzen Himmel des Mondes hängt in voller Pracht die sengende Sonne, umgeben vom Glorienscheine der Korona und von der Staubwolke des Tierkreislichtes.
Neben der Sonne strahlen die beiden Planeten Merkur und Venus und alle Sterne, die wir in dunkler, klarer Nacht auch an unserem Himmel sehen. Auch unser Mond hat, – wie schon bemerkt wurde, – einen Mond! – Es ist dies unsere Erde. Diese erscheint am Firmamente des Mondes gleichfalls im Wechsel ihrer Lichtgestalt. Sie zeigt sich also einmal als Neuerde, dann im ersten Viertel, dann als Vollerde und endlich im letzten Viertel.
Als Vollerde, – also als »Vollmond des Mondes« –, aber ist sie vierzehnmal größer, als uns der Mond an unserem Firmamente erscheint. Auf dieser gewaltigen Scheibe des »Mondes unseres Mondes« würden wir ebenfalls dunkle Flecken gewahren, – die Meere, – die Festlande, als rötlich schimmernde Gebiete, und endlich zwei glänzendweiße Stellen an den beiden Polen der Erde, – die Schneezonen oder Polarkalotten.