Auf unserer Erde würden wir vom Monde aus in einem Riesenfernrohre auch rillen- oder lichtstreifenartige Gebilde erkennen können, nämlich die großen Ströme, – so den Amazonenstrom und den Mississippi.
London, Newyork, Berlin und Paris würden als dunkle Punkte auf den Festlanden der Erde erscheinen. – Die Kriegsschiffe der europäischen und Balkanstaaten, die kürzlich im Marmarameere vor Anker lagen, hätte man gleichfalls auf der Scheibe der Erde erkannt; aber man hätte nicht gewußt, was man aus diesen dunklen, sich hin- und herbewegenden Punkten machen sollte! Man würde die Truppen der Balkanmächte, die gegeneinander kämpften, vom Monde aus mit einem Riesenfernrohre haben beobachten können, ohne aber eine Vorstellung davon zu erlangen, daß dies ein schreckliches Menschenmorden bedeutete.
Die Astronomen, welche sich mit der Erforschung des Mondes beschäftigen, nennt man Selenographen, zum Unterschiede von den Geographen, die unserer Erde ihr Interesse widmen.
In der Neuzeit wendet der Himmelsforscher auch beim Monde die lichtempfindliche Platte an, und zwar mit bestem Erfolge! Aus den herrlichen Bildern, die man im Laufe der letzten dreißig Jahre mit der Kamera vom Begleiter der Erde erhalten hat, wird in Kürze ein sehr schöner Mondatlas erstehen. Dieser wird nicht bloß ein hervorragendes Kunstwerk sein, sondern auch der Nachwelt zeigen, was menschlicher Fleiß und menschliches Forschen zustande brachten.
In alter Zeit schon hat man die Frage aufgeworfen, ob der Mond bewohnt sei. Man hat diese Frage in recht phantastischer Weise zu beantworten versucht, ja sogar den Vorschlag gemacht, den Mondbewohnern (den Seleniten) Zeichen zu geben! Indes die moderne Forschung neigt, – nach allem, was sie vom Monde weiß, – immer mehr der Ansicht zu, daß es Mondbewohner, die uns Menschen ähnlich sind, nicht geben kann, weil auf jener Kugel die Bedingungen fehlen, unter denen das menschliche Leben auf Erden sich entfaltet und gedeiht. – Indes auch der Mond kann bewohnt sein; aber nur mit Wesen, die zu den Lebensbedingungen passen, unter denen dieses Gestirn um unsere Erde und durch den Weltenraum schwebt!
Wie diese Wesen aber aussehen, das wissen wir nicht und werden es auch wohl niemals erfahren! …
Der Mars.
Nimmt man heute eine illustrierte Zeitschrift zur Hand, dann findet man sicher in der einen oder anderen Nummer derselben auch einen astronomischen Aufsatz, der sich in gemeinverständlicher Form mit einem der größten Rätsel in unserem Sonnenreiche beschäftigt, – nämlich mit dem Planeten Mars!
Wir sprechen heute von Marsbewohnern fast in der gleichen Weise wie von den Buschmännern Australiens oder wie von den Leuten im Sudan. Dieses Interesse an dem »Mars und seinen Bewohnern« ist ein durchaus begreifliches! Es hat seinen Grund darin, daß der Planet eine große Ähnlichkeit mit unserer Erde zeigt, und zwar hinsichtlich seiner Größe, seiner Oberflächenbeschaffenheit, seiner Tage, seiner Jahreszeiten, seiner Meere, Festlande und Pole. Indes dies alles würde ihn nicht so sehr in den Vordergrund gerückt haben, wenn nicht der im Jahre 1910 verstorbene, berühmte Mailänder Astronom Giovanni Schiaparelli die ganze gebildete Welt, vor allem aber die Wissenschaft, im Jahre 1877 zum ersten Male, auf das höchst merkwürdige Netz von dunklen, geraden Linien aufmerksam gemacht hätte, mit dem das ganze Marsland bedeckt erschien. –