Lange Zeit hindurch hat man geglaubt, daß uns der Kern eines Kometen einmal dann gefährlich werden könne, wenn die Erde mit ihm in Berührung komme. Die Kometenkerne sollten, – in der Meinung früherer Jahre, – aus Gesteins- oder metallischen Massen bestehen. Nun sind wir aber schon wiederholt durch die Köpfe und durch die Schweife von Kometen hindurch gegangen, und es ist uns nichts passiert. Auch hat die Himmelsforschung der Gegenwart gefunden, daß die gefürchteten Kometenkerne nichts anderes sind als Gasmassen, die, – ähnlich dem Sonnen- und Erdkern, – unter einem hohen, auf ihnen lastenden Drucke starr wie Glaserkitt werden!

Tafel 11.

Der Komet 1911 – c (Brooks).
(Aufgenommen mit dem photographischen Refraktor der K. Sternwarte zu Wien von Dr. Josef Rheden, Originalaufnahme. 56 Minuten Belichtungsdauer.)

Durch diese wissenschaftliche Annahme ist die Furcht vor den Kometenkernen so gut wie vernichtet. Die Strahlen der Sonne lösen die Spannung in der gasigen Kernmasse dann auf, wenn das Gestirn der Sonne immer näher kommt. Die Gase des Kernes strömen nun aus dem Kopfe des Kometen aus, und so entsteht der oft Millionen Meilen lange Schweif.

Der Schweif ist das prächtigste am ganzen Gestirn und verleiht diesem auch den Beinamen »großer Komet«! –

Bald sieht der Schweif des Gestirnes bandartig, bald federförmig gespalten, bald gerade und bald gebogen aus. Einige Kometen zeigten sich uns mit mehreren Schweifen, so die der Jahre 1744 und 1861.

Unsere Vorfahren behaupteten, daß Kometenschweife ausgesehen hätten wie das aufgelöste lange Haar einer Frau. Deshalb haben die Kometen auch bis zum heutigen Tage den Namen »Haarsterne« beibehalten. –

Die Photographie, die man, – wie überall in der Himmelsforschung, – auch bei der Entdeckung und Beobachtung von Kometen heute anwendet, hat uns noch verraten, daß die Schweife der Kometen Einbuchtungen, Riffe, Knicke und Ablenkungen zeigen. Das deutet auf heftige Vorgänge im Innern des Kometen hin, wie wir solche Erscheinungen ja auch im Innern und auf der Oberfläche unseres Tagesgestirns schon kennen lernten.